Die Mikrowellen-Attacke

Die Mikrowellen-Attacke

Wer ein Hotel führt, wird auch immer wieder mit Beschwerden einiger Gäste konfrontiert. Manche beweisen bei ihren Geschichten jedoch eine blühende Fantasie.

So auch eine ältere Dame, welche für eine Nacht auf ihrer Reise von Italien nach Deutschland im Hotel «Freieck» in Chur logierte, wie Gastgeberin Josiane Stockmann berichtet. Es sollte jedoch nicht bei einer einfachen Beschwerde bleiben. Doch von Anfang an.

Bei ihrer Abreise beschwerte sich die etwa 65-jährige Frau lautstark und wild gestikulierend an der Réception. Sie sei in der Nacht von Mikrowellen attackiert worden und habe kein Auge zugetan. Die Geschichte war absurd, gab es in dem Hotelzimmer doch gar keine Mikrowellen. Doch die spindeldürre Frau mit bleichem Gesicht, spärlichem Haar und stechendem Blick beharrte auf ihrer Geschichte. Ihr Ehemann sei vor Jahren ebenfalls von Mikrowellen angegriffen und dadurch getötet worden. Alles gute Zureden vonseiten der Réceptionsangestellten nützte nichts. Die Dame liess sich nicht beruhigen und verliess schliesslich wutentbrannt das Hotel.

Doch damit war die Geschichte noch nicht zu Ende. Denn etwa zwei Wochen später kam ein Brief mit einem vierseitigen Vertrag über eine Schadenersatzforderung von 500 000 Euro. In dem Brief hiess es unter anderem: «Mikrowellenwaffen, die das Blut zum Kochen bringen, die schwerste Körperverletzungen zur Folge haben, bis hin zum schleichenden Mord, durch die man meinen Mann getötet hat, gehören zu den gemeingefährlichen Hightech-Waffen der EU-Geheimdienste. Sie werden unter anderem von verhaltensgestörten, eigenverliebten Dummköpfen privat zu rachedürstenden Gewaltexzessen, zu Vertreibung von Haus, Hof und Firma amtsmissbrauchend eingesetzt.» Auf die Schadenersatzforderung wurde vonseiten des Hotels natürlich nicht eingegangen, denn das Hotel «Freieck» kann seinen Gästen auch weiterhin einen Mikrowellenattackenfreien Aufenthalt garantieren. Ob man in der Hotel-Branche aufgrund dieser Geschichte ein entsprechendes Label einführen will, ist allerdings nicht bekannt.

Die Kolumne aus der Réception erscheint jede Woche und berichtet aus dem Alltag eines Réceptionisten/einer Réceptionistin.

Quelle: Südostschweiz.ch