Elektromagnetische Waffen (Directed Energy Weapons)


Schallwaffe: Hochentwickelte akustischen Apparatur

Amerikanische Behörden behaupten, in Kuba stationierte Diplomaten seien mit einer neuartigen, nicht hörbaren «Schallwaffe» attackiert worden. Mehrere Personen hätten einen Hörverlust erlitten und das Land verlassen müssen. Der amerikanische Untersuchungsausschuss jedenfalls kam zum Schluss, die Diplomaten seien mit einer hochentwickelten akustischen Apparatur attackiert worden, die ausserhalb des hörbaren Spektrums operiere.

2017 NZZ.ch - Angriff aufs Ohr

Beispiel: Mikrowellen als Waffen

Mikrowellen ist ein Trivialname für den Frequenzbereich elektromagnetischer Wellen von 1 bis 300 GHz (Wellenlänge von 300 mm bis 1 mm, andere Quellen geben auch den Bereich von 300 MHz bis 300 GHz an). Er umfasst Teile des Dezimeterwellenbereiches sowie den Zenti- und Millimeterwellenbereich und wird nach unten begrenzt durch den Begriff Radiowellen und nach oben hin durch den infraroten Bereich des optischen Spektrums. Bei der Begriffsbildung waren die Submillimeterwellen noch nicht bekannt (bzw. wurden noch dem Infrarotbereich zugeordnet) und werden deshalb von dem Begriff nicht mit umfasst.

Mikrowellenwaffen: Unsichtbare Zerstörung

Ein kleines Beispiel von Mikrowellenraketen mit einer High-Tech-Ausrüstung an Bord um bestimmte Wellenfrequenzen zu Manipulieren und Materie zu zerstören. Waffen ohne Spuren, über Luft übertragen wie Krankheitserreger.

Elektromagnetische Waffen: Zeitungsberichte und hergestellte Waffen

Laserwaffen: Schmerzen statt Tod

Bilder von Laserwaffen, die feindliche Truppen außer Gefecht setzen und Flugzeuge vom Himmel holen, waren bislang eher aus Science-Fiction-Filmen bekannt. Jetzt aber rückten die Strahlenkanonen der Realisierung einen Schritt näher.

So könnte in den USA ein Lasergewehr schon bald gegen Kriminelle und Terroristen, aber auch zur Niederschlagung von Aufständen eingesetzt werden. Entwickelt wurde die Strahlenwaffe von der US Air Force. Kürzlich übernahm jedoch das Justizministerium in Washington die Technologie, um die Waffe in eigener Regie weiterzuentwickeln. Federführend ist dabei das „National Institute for Justice“ (NIJ).

Die Justizbehörden wollen die Polizei mit einer modifizierten Version des Strahlengewehrs ausstatten. Während die Militärs auf die Blendwirkung des Laserlichts setzen, sollen die Polizisten Zielpersonen durch starke Schmerzen kampfunfähig machen, die das gebündelte Licht auf der Haut auslöst. „Getroffene wollen daraufhin dem Strahl unbedingt entkommen“, so das NIJ, damit würden sie von weiteren Straftaten abgehalten. Der Laserstrahl hat nur wenige Zentimeter Durchmesser. Darin unterscheidet sich das Gewehr von einer weiteren nicht tödlichen tragbaren Strahlenwaffe, die das NIJ ebenfalls von Militär übernahm: den Mikrowellenstrahler. Auch das Mikrowellengewehr erhitzt die Haut, doch sein Strahl ist bis zu zwei Meter weit, sodass Getroffene am ganzen Körper Schmerzen erleiden. Ein Prototyp wurde bereits im vergangenen Jahr vorgestellt.

Verletzungsrisiko kontrollieren

Laut NIJ sind die Strahlenschleudern weniger gefährlich als herkömmliche nicht tödliche Waffen wie etwa Gummigeschosse. „Diese verursachen Aufschlagverletzungen, während bei den Strahlengewehren keine sichtbare Verletzung entsteht. Unsere Forschung zielt darauf ab, das Risiko für Zielpersonen zu reduzieren“, versichert ein Behördensprecher. Zwar wäre es gewiss ein Fortschritt, aus dem Ruder laufende Demonstrationen ohne Rippenbrüche und andere Blessuren beenden zu können. Ob dies gelingt, ist indes offen. Denn bei Tests, bei denen unter anderem Gefängnisaufstände simuliert wurden, hatte das Lasergewehr bei zwei von mehreren Hundert Versuchspersonen Verbrennungen zweiten Grades verursacht.

Fantasiereich tauften die Justiz-Forscher ihre neue Waffe „ PHaSR“ (von „Personnel Halting and Stimulation Response“, etwa „Personenstopp- und Reiz-Reaktion“). Sie gleicht einem massigen Gewehr. In der Militärversion enthält der PHaSR einen Laser, der helles Licht im sichtbaren Bereich des Spektrums ausstrahlt. Den Hitzeeffekt erzielt nun ein hinzugefügter Infrarotlaser. Der tragbare Mikrowellenstrahler ist demgegenüber weniger weit entwickelt. Ein Testgerät kann wirkungsvolle Strahlung bislang nur auf etwa einen Meter Distanz aussenden. Nach NIJ-Angaben soll 2010 jedoch ein Prototyp fertiggestellt werden, dessen Reichweite 15 Meter beträgt.

Sein Vorteil gegenüber dem PHaSR wäre, dass Mikrowellen die Kleidung besser durchdringen als Infrarotlicht.

„Folter auf Knopfdruck“

Menschenrechtsgruppen fürchten, dass sich die neuen Waffen auch für Folterzwecke eignen. Dieses Problem gebe es bereits bei dem Taser, der zwei Pfeilspitzen verschießt, die über Drähte mit Hochleistungskondensatoren verbunden sind. Getroffene Personen erleiden einen äußerst schmerzhaften elektrischen Schlag. Solche nicht tödlichen Waffen in Händen der Polizei könnten dann zur „Folter auf Knopfdruck“ dienen, ohne dass Spuren zurückbleiben, argumentieren Experten der Menschenrechtsorganisation „Amnesty International“ (AI).

Der Sicherheitsexperte John Pike, Direktor des US-Rüstungsforschungsinstituts GlobalSecurity.org, glaubt, dass insbesondere der Mikrowellenstrahler nicht als eine Art elektronischer Wasserwerfer gegen Demonstranten dienen soll, sondern vielmehr als Kriegsgerät, das feindliche Soldaten aus der Deckung jagen kann – frei zum Abschuss durch die eigenen Truppen. Ihren nicht tödlichen Charakter würden die Strahlenwaffen dann verlieren.

Auch bei Luftkämpfen oder Gefechten von Bodentruppen könnten statt Maschinengewehrgarben und Raketen bald Laserblitze aufleuchten. Die Rüstungsfirma Northrop Grumman entwickelt derzeit einen Laser, der einen Strahl mit einer Leistung von 105 Kilowatt aussenden kann – genug, um Raketen, Bomben und Artilleriegranaten zu zerstören. „Wir tragen dazu bei, aus dem Schießpulver eine Technologie des 21. Jahrhunderts zu machen“, erklärt Firmensprecher Dan Wildt.

Anders als der in einer Boeing 747 installierte riesige „Airborne Laser“ der US-Luftwaffe, der als Lasermaterial die Gase Sauerstoff und Jod sowie weitere Chemikalien nutzt, beruht die Strahlenschleuder von Northrop Grumman auf Halbleitern, die bei Anlegen einer elektrischen Spannung Licht aussenden. Solche Festkörperlaser sind deutlich weniger voluminös und können auf Lkw montiert werden, zur Stromversorgung genügt ein Dieselgenerator. In einem Test nahm das neue Gerät ein stationäres Ziel fünf Minuten lang unter Beschuss. Ziel ist, bewegliche Objekte wie Raketen in Dutzenden Kilometern Abstand aufzuspüren und zu zerstören.

Techniken aus der Krebstherapie übernommen

Auch der bereits seit Längerem im Einsatz befindliche Taser wird weiterentwickelt. Nach einem Bericht des Wissenschaftsmagazins „New Scientist“ soll ein neuer Typ der Elektrowaffe die Opfer länger lähmen als die heutigen Modelle. Die Technik dazu wurde ausgerechnet aus der Krebstherapie übernommen. Dort dienen Hochspannungs-Stromimpulse von nur wenigen Nanosekunden (eine Nanosekunde = eine Milliardstel Sekunde) Dauer dazu, in den Membranen der Tumorzellen Löcher zu erzeugen, durch die dann Krebsmedikamente ins Zellinnere gelangen.

Herkömmliche Taser nutzen Elektroschocks von etwa fünf Sekunden Dauer. In dieser Zeit wird über die in die Haut gefeuerte Doppelelektrode eine Serie von Stromimpulsen abgegeben, die jeweils einige Mikrosekunden lang sind. Das pulsierende elektrische Feld im Körper unterbindet die elektrische Aktivität von Nervenzellen. Als Folge sind die Opfer lange genug gelähmt, um sie verhaften zu können.

Kritik seitens der Menschenrechtsorganisation

Demgegenüber können Nanosekunden-Impulse die Muskeln getroffener Personen bis zu 15 Minuten lang lähmen, wie Forschungsarbeiten ergaben, die Biologen der Old Dominion University in Norfolk (US-Staat Virginia) im Auftrag des US-Militärs durchführten. Allerdings wurden die ultrakurzen Schocks bislang nur an Zellkulturen getestet, Versuche an Tieren und freiwilligen Probanden sollen folgen.

Gegen diese neue Schockwaffe wendet sich abermals Amnesty International. „Ihre medizinischen und biologischen Effekte sind völlig unklar“, sagt AI-Expertin Angela Wright. „Sie könnten lang anhaltende gesundheitliche Folgen haben, die bislang nicht vorhersehbar sind.“ Solche Einwände dürften die Entwickler wenig beeindrucken, denn insbesondere in den USA und Kanada sind die Elektroschocker sehr beliebte Polizeiwaffen, was gute Geschäfte verspricht. Dass sie nicht die nicht tödlichen Waffen sind, als die sie angepriesen werden, belegt demgegenüber AI in einer Ende 2008 veröffentlichten Studie. Danach starben zwischen 2001 und August 2008 allein in den USA 334 Menschen in Zusammenhang mit Taser-Einsätzen.

Quelle: Focus.de

Laserwaffen werden Realität: Strahlen statt Patronen

In Science-Fiction-Filmen sind Laserwaffen längst allgegenwärtig. Nun wollen Militärstrategen sie auf realen Schlachtfeldern einführen.

Im Herbst vergangenen Jahres fiel der deutschen Bundeskanzlerin eine Drohne vor die Füße. Ein rund 50 Zentimeter großes, ferngesteuertes Fluggerät prallte direkt vor ihrem Rednerpult auf den Boden. Ein Sicherheitsbeamter trug das Ding fort, Angela Merkel lächelte, und weiter ging der Wahlkampf.

Ein junger Zuhörer auf dem Dresdner Neumarkt hatte versucht, mit dem Plastikkopter exklusive Bilder der Kanzlerin zu ergattern. Was Merkel und die Medien als skurrilen Zwischenfall abhakten, versetzte Sicherheitsexperten und Militärstrategen in Alarmzustand. In ihren Augen wurde eine Bedrohung offensichtlich, die in den kommenden Jahren bitterer Ernst werden könnte. Tatsächlich wäre jeder halbwegs begabte Bastler durchaus in der Lage, ein ähnliches Fluggerät mit einer Schusswaffe statt einer Kamera auszustatten und die Kanzlerin nicht nur abzulichten sondern auszuschalten.

Bedrohungsszenarien wie dieses sind mittlerweile fester Bestandteil der Überlegungen jener Militärgremien, die noch vor einigen Jahren Planspiele mit ballistischen Interkontinentalraketen betrieben. In Zeiten von Terrorismus und asymmetrischer Kriegsführung hat sich bekanntlich die Wahl der Waffen geändert. Dass Atomsprengköpfe und Langstreckenraketen die Bedrohungen der Zukunft abwehren können, darf bezweifelt werden. Um das zu verdeutlichen, hat das Industrie-Beratungsgremium der Nato, NIAG, ein Szenario ausgearbeitet, bei dem das Londoner Olympiastadion von einer bewaffneten Drohne angegriffen wird. Das Ergebnis: Gegen derartige Bedrohungen gibt es keinen wirksamen Schutz.

Es geht um Hochenergie-Laser, Mikrowellen, elektromagnetische Impulse

Während der Olympischen Spiele in Peking wurden zwar allen Ernstes Raketenabwehrsysteme um die Stadien installiert. Man möchte sich allerdings nicht ausmalen, wie 80 000 Menschen reagieren, wenn über ihren Köpfen Flugabwehr-Raketen in den Himmel steigen und mit selbst gebastelten Drohnen kollidieren. Nach Ansicht von Militärexperten braucht es für solche und viele andere Bedrohungen neuartige und - so nennen es Strategen gern - chirurgische Waffen. Waffen, die Gegner und deren Gerätschaften außer Gefecht setzen, die Elektronik unbrauchbar machen, Flugkörper blenden oder mit einem Fingerschnippen vom Himmel pusten.

Es geht um Strahlenwaffen, um Hochenergie-Laser, um Mikrowellen, um elektromagnetische Impulse. Physiker, Techniker und Militärs aus mehreren Erdteilen trafen sich in der vergangenen Woche in London, um den militärischen Nutzen solcher Technologien zu diskutieren. Hinter viktorianischen Bleiglasfenstern und dunkler Holztäfelung erörterten die Experten unter dem Titel "Directed Energy Systems" nicht etwa Energiequellen der Zukunft, sondern futuristisches Kriegsgerät.

In Film und Fiktion ist ja alles längst erfunden. Spätestens seit H. G. Wells 1898 seinen Roman "Krieg der Welten" veröffentlichte, sind Strahlenwaffen ein obligatorischer Bestandteil sämtlicher Science-Fiction-Stoffe. Vom Todestern der Star-Wars-Hexalogie über den handlichen Phaser aus Raumschiff Enterprise (der sich wahlweise auf Betäubungsmodus schalten ließ) bis zum Laserschweißgerät, mit dem Auric Goldfinger 1964 den britischen Superagenten James Bond fast entmannte, werden Gefechte zwischen Gut und Böse mit elektromagnetischen Strahlen ausgetragen.

Nur in der Realität funktioniert das nicht ganz so einwandfrei. Die zugrunde liegende Physik ist zwar erforscht und im Prinzip auch handhabbar seit im Jahr 1960 der Laser erfunden wurde. Doch schlugen bislang die meisten Versuche fehl, gebündelte elektromagnetische Strahlen, ob Licht, Infrarotstrahlen oder Mikrowellen, auf realen Schlachtfeldern einzusetzen. Nicht dass es nicht versucht worden wäre. Vor allem das US-Militär hat in den vergangenen Jahrzehnten reihenweise höchst ambitionierte Projekte finanziert, von Ronald Reagans SDI-Träumen bis hin zu einer fliegenden Laserkanone, einer umgebauten Boeing 747, die als Airborne Laser, kurz ABL, in die Geschichte einging. Der Strahlenjumbo sollte Interkontinentalraketen vom Himmel holen, doch nach Entwicklungskosten von fünf Milliarden Dollar wurde er vor zwei Jahren buchstäblich in den Sand gesetzt - in den Wüstensand, wo nutzlos gewordene Flugzeuge enden. Die Liste gescheiterter Projekte ließe sich fortführen. Als Geburtsfehler der meisten Vorhaben gilt heute deren überbordende Gigantomanie. Das hat sich mittlerweile geändert. Die Strahlenkrieger von heute sind bescheidener geworden.

Aber nicht weniger aktiv. Vom Flugzeughersteller Boeing über den deutschen Militärausstatter Rheinmetall bis zum japanischen Mischkonzern Kawasaki - überall in der Welt entstehen Prototypen für Strahlenwaffen. Boeing zum Beispiel bastelt an einer Laserkanone für Kriegsschiffe, die herkömmliche Maschinengewehre ergänzen soll. In Versuchen gelang es bereits, Außenborder von Motorbooten wegzuschießen, was nützlich sein kann, wenn unklar ist, ob ein Pirat oder nur ein Fischer sich nähert. Einen ähnlichen Laser mit zehn Kilowatt Leistung hat Boeing auch auf einen Lastwagen gepackt und in der Wüste von New Mexiko, wo einst die erste Atombombe detonierte, auf diverse Testflugkörper geschossen. Unter anderem wurden mehrere Dutzend Mörsergranaten evaporiert und einer drei Meter langen Drohne der Heckflügel weggeschmort.

Eine ebenfalls auf Lasern basierende Strahlenwaffe entwickelt Kawasaki. Die Kriegsschiffe Japans sollen damit dereinst feindliche Raketen abfangen. Von handfesten Fortschritten berichten zudem Experten der Firma Rheinmetall. Indem sie mehrere Laser kombinierten, erreichten sie eine punktförmig konzentrierte Strahlungsleistung von 50 Kilowatt, was der Heizleistung mehrerer Eigenheime entspricht. Auf einem Testgelände in der Schweiz wurden damit Stahlträger aus einem Kilometer Abstand zersägt, reihenweise anfliegende Granaten abgefangen und sogar drei mit Düsenantrieb ausgestattete Drohnen zum Absturz gebracht.

Quelle: Süddeutsche.de

Energiewaffen im Irak: Der Sheriff mit der Strahlenkanone

Das US-Militär will Unruhen im Irak künftig mit Energiewaffen beenden: Gebündelte Mikrowellen sollen Aufständischen unerträgliche Schmerzen beibringen. Ab Juli 2005 sollen die ersten Strahlenkanonen auf Geländewagen durch irakische Städte rollen.

Schießereien, Demonstrationen, Bombenanschläge: Die Situation im besetzten Irak ist explosiver denn je, und immer wieder geraten auch Zivilisten zwischen die Fronten. Bei Zusammenstößen mit US-Soldaten wurden bereits Dutzende Unbeteiligte getötet. Jetzt will das Pentagon bei Aufständen nicht mehr schießen sondern strahlen lassen: Mikrowellen, die Menschen brennende Schmerzen zufügen, sollen Demonstranten und Angreifer in die Flucht schlagen, ohne sie zu töten oder auch nur dauerhaft zu schädigen.

Bis Juli kommenden Jahres sollen vier bis sechs mobile Energiewaffen an US-Truppen im Irak ausgeliefert werden, wie die amerikanische Militärzeitung "Stars and Stripes" berichtet. Das Experiment läuft unter dem bezeichnenden Titel "Projekt Sheriff". "Er ist nicht da, um zu zerstören", erklärt Colonel Wade Hall vom US-Marinekorps im Jargon des Militärtechnokraten. "Er ist da, um den Frieden zu erhalten, aber er kann falls nötig in den Zerstörungs-Status gehen."

Der "Sheriff" besteht in diesem Fall aus einer eckigen Antenne, die auf Geländewagen wie dem "Humvee" - der auch als monströser Pkw in den USA unterwegs ist - oder auf leichten Panzern montiert ist. Das "Active Denial System", kurz ADS, ähnelt der Technologie, die sonst auch in der Küche zum Einsatz kommt - nur dass in diesem Fall nicht Fertigsuppen, sondern Menschen erhitzt werden.

"Die Leute werden den Schmerz nicht aushalten"

Ein Transmitter erzeugt Mikrowellen mit einer Frequenz von 95 Gigahertz, die etwa 0,4 Millimeter tief in die Haut eindringen. Die elektromagnetische Strahlung erhitzt die Wassermoleküle und erzeugt innerhalb von Sekunden "unerträgliche" Schmerzen, wie es auf der Website des Forschungslabors der US-Luftwaffe in New Mexico heißt. "Die Haut wird extrem heiß", sagt Hall. "Die Leute werden den Schmerz nicht aushalten und weglaufen, und zwar dorthin, wo wir sie haben wollen."

Gesundheitliche Schäden trügen die Opfer - zumindest mit hoher Wahrscheinlichkeit - nicht davon, wie die US-Waffentechnik-Experten behaupten. Von den rund 51 Millionen Dollar, die das Pentagon nach eigenen Angaben seit 1992 für die Entwicklung der Mikrowellenwaffen ausgegeben hat, seien allein neun Millionen auf die Erforschung der Wirkungen auf den menschlichen Körper entfallen - Tier- und Menschenversuche inklusive.

"Es fühlt sich an, als würde die Haut brennen", sagt Rich Garcia, Sprecher des Air Force Research Laboratory und eines der menschlichen Testobjekte. "Aber wenn der Strahl abgeschaltet wird oder man seinen Bereich verlässt, ist alles wieder normal. Der Schmerz verschwindet restlos."

US-Militär sieht geringe Gefahr für Gesundheit

Ein Gremium unabhängiger Mediziner habe die Tests überwacht, erklärt die US-Luftwaffe. Ein Bericht aus dem Jahr 2002 habe ergeben, dass der Mikrowellenstrahl eine "niedrige Wahrscheinlichkeit ernsthafter Verletzungen" berge. Auch die Gefahr von Krebs oder Augenschäden sei gering. Schließlich, so das US-Militär, soll der "Sheriff" Leben retten und nicht auslöschen.

Offen bleibt, welche Schäden auftreten können, wenn Menschen etwa bei einer Massendemonstration nicht in der Lage sein sollten, binnen Sekunden aus dem Bereich des Strahls herauszulaufen. Während es auf der Haut zu Verbrennungen kommen kann, sehen Mediziner vor allem eine Gefahr für das Augenlicht der Betroffenen.

"Das Auge sieht furchtbar aus"

"Unter Hitzeeinwirkungen dehnen sich das Kammerwasser und der Glaskörper des Auges aus", erklärt Olaf Strauß, Augenheilkundler an der Uniklinik Hamburg-Eppendorf. Das Resultat seien die gleichen Symptome wie bei einem akuten Grünen Star: Der erhöhte Innendruck presst die Blutgefäße des Auges weg, schädigt den Sehnerv und kann zur Erblindung führen. "Bei einem akuten Glaukom sieht das Auge furchtbar aus", sagt Strauß.

Fraglich sei, ob die Mikrowellen tief ins Auge eindringen oder vielleicht von der Hornhaut abgefangen werden. Doch auch dann bestehe die Gefahr einer Hornhauttrübung. "Die Hornhaut ist nur bei den richtigen Druckverhältnissen und einem bestimmten Wassergehalt transparent", so Strauß.

Die Waffentechniker des Pentagon haben indes auch für den Fall vorgesorgt, dass Hitze und Schmerz widerspenstige Iraker nicht unter Kontrolle bringen. Der "Sheriff" soll einen weniger friedlichen Begleiter bekommen: ein Metall spuckendes Ungeheuer, das aus mehreren mittel- und großkalibrigen Maschinengewehren mit hoher Feuerkraft besteht. Sein Name: "Gunslinger", zu Deutsch: "Revolverheld".

Quelle: Spiegel.de

Ausland: Wahrer Jäger, wahrer Killer

Global Village: Auf einer Messe führt die Rüstungsindustrie vor, dass die neuesten Produkte trotz Krise die Käufer finden.

Es gibt noch keinen Namen für die kleine Box im Kofferraum des schwarzen Porsche. "Blutkocher" könnte man sie nennen - oder "mobile Mikrowelle". Das Marketing in Deutschland dürfte schwierig sein, aber auf der Rüstungsmesse Idex in Abu Dhabi ist das neue Produkt ein Knaller.

"Sie sind in einem Konvoi in gefährlichem Terrain unterwegs", skizziert David Vollmar, 36, von der Unival-Group aus Bonn. "Plötzlich umringt Sie eine aufgebrachte Menge. Da drücken Sie den Knopf." Während herkömmliche Störsender nur die Handys und die Funkgeräte potentieller Attentäter ausschalten, legt die Box im Porsche die Menschen selbst lahm: "Stellen Sie sich ein Glas Milch in einer Mikrowelle vor. So ähnlich ergeht es dann Ihren Körpersäften. 2.400 Watt in einem Umkreis von 10 bis 20 Metern. Da kriegen Sie solche Kopfschmerzen, dass Sie sofort das Weite suchen."

Die Technik ist im Westen noch nicht zugelassen, die Erfinder grübeln noch, wie sie die Insassen im Porsche vor dem Verbrutzeln bewahren können, aber an mangelnder Nachfrage, das zeigt sich in Abu Dhabi, sollte das Projekt nicht scheitern.

Über 900 Aussteller sind zur International Defence Exhibition gekommen, mehr als je zuvor. Alle sieben Herrscher der Vereinigten Arabischen Emirate sind da und 45.000 Besucher aus der Welt der Granatwerfer, Kampfpanzer und Funkstöranlagen. "So viel vorweg", sagt David Vollmar aufgeräumt: "Die Sicherheitsbranche spürt von der Weltwirtschaftskrise noch überhaupt nichts."

Kriegsgerät hat im Nahen Osten eigentlich immer Konjunktur, und da trifft es sich gut, dass die Scheichs am Golf noch liquide sind. Für drei Milliarden Euro haben die Emirate amerikanische Flugzeuge, französische Funkgeräte, deutsche Scharfschützengewehre und Motoren für ihre Panzer geordert. Für noch einmal ein paar Milliarden wollen sie den Italienern Hubschrauber und den Amerikanern ein Raketenabwehrsystem abkaufen.

Auch anderswo am Golf sind die Generalstäbe begehrlich, im Irak zum Beispiel. Intifad Kanbar, 49, steht in der Schlange vor der Sicherheitsschleuse und schaut ungeduldig in die Messehalle hinüber, wie ein Kind vor dem Besuch in einer Konditorei.

"Wir brauchen eigentlich alles", sagt er. "Nachrichtentechnik, Aufklärungsdrohnen, Truppentransporter, Software, Panzer, Nato-Draht. Wir müssen unsere Pipelines und unsere Überlandleitungen schützen, unsere Grenzen sind löchrig wie Schweizer Käse. Der Krieg gegen den Terror ist noch lange nicht vorbei."

Kanbar ist gut vernetzt in Bagdad. Sein Vater war einer der ersten Offiziere der irakischen Marine. Er selbst ließ sich zum Luftwaffeningenieur ausbilden, bevor er ins Exil ging. Im Jahr 2003 kam er zurück, und als es mit der politischen Karriere nichts wurde, ging er als Militärattaché nach Washington. Heute ist er Generalvertreter des US-Rüstungskonzerns Textron in Bagdad. "Ich kann mir gut vorstellen", sagt er und taxiert im Vorbeigehen die Pavillons der Deutschen, Franzosen, Türken und Chinesen, "dass ich auch bald andere Unternehmen im Irak vertrete."

Ellena, 29, eine schöne Messe-Hostess aus der Ukraine, stellt sich ihm höflich in den Weg: "Wir haben ein neues Nachtsichtgerät. Sind Sie interessiert an einer Demonstration?"

"Genau solche Geräte brauchen wir", sagt Kanbar. "Es geht nicht mehr um Feuerkraft allein. Es geht um intelligente Systeme."

Wie ein Fossil aus dem Kalten Krieg steht der Kampfpanzer "Leopard 2" vor dem Pavillon der deutschen Waffenschmiede Krauss-Maffei Wegmann. Eine Gruppe Araber in weißen Dischdaschas lassen sich das 60 Tonnen schwere Gerät in Wüstencamouflage erklären. "Kommen Sie doch auf einen Kaffee mit nach oben", lädt man sie ein. Sie zögern kurz, dann gehen sie mit.

Auf der vorigen Idex, zwei Jahre ist das her, wurde eine spanische Variante des "Leopard" als "wahrer Jäger und wahrer Killer" vorgeführt. Von der Tribüne, vor der er Pirouetten drehte und sein Geschützrohr schwenkte, konnten die Zuschauer hinüber auf die Botschaft der Islamischen Republik Iran schauen. George W. Bush war Präsident in Washington, ein Krieg mit Iran schien jederzeit möglich.

Mittlerweile sucht die neue amerikanische Regierung nach Wegen, mit Teheran ins Gespräch zu kommen. "Es heißt, Barack Obama werde das Waffengesetz verschärfen", sagt Christian Simku vom österreichischen Pistolen- und Büchsenmacher Steyr Mannlicher. "Im Moment kaufen die Amerikaner Waffen ein wie die Wahnsinnigen."

Am dritten Tag der Messe kommt aus Washington die Nachricht, dass der Präsident den Haushalt des Verteidigungsministeriums um 55 Milliarden Dollar kürzen will. Zerstörer, Kampfflugzeuge und Transporter, die bereits in den Auftragsbüchern verzeichnet sind, stehen zur Disposition. Womöglich verzichtet Obama sogar auf Ersatz für die alten Hubschrauber, die ihn am Wochenende nach Camp David fliegen.

Am vierten Tag der Messe dämmert es den Waffenbrüdern: Die Krise wird auch sie erwischen.

Quelle: Spiegel.de

Strahlenwaffe: US-Militär stellt Mikrowellen-Kanone vor

Das US-Militär macht Ernst mit seinen Plänen zum Einsatz von Energiewaffen. Eine Mikrowellen-Kanone, die bei Menschen unerträgliche Schmerzen verursacht, soll künftig in Krisengebieten - etwa im Irak - Demonstranten und potentielle Angreifer in Schach halten.

Eigentlich müsste der "Sheriff" schon längst im Irak für Ruhe und Ordnung sorgen, wären die Pläne des US-Militärs wahr geworden. Ihnen zufolge sollte das "Active Denial System" - auch "Projekt Sheriff" genannt - im Juli 2005 an die Truppen im umkämpften Zweistromland ausgeliefert werden. Doch erst jetzt hat das US-Militär erstmals eine funktionsfähige Version der Waffe vorgestellt, die nun spätestens 2010 zum Einsatz kommen soll.

Hinter dem harmlos klingenden Namen "Active Denial System" (ADS) verbirgt sich ein Waffensystem, das über eine flache Antenne gebündelte Mikrowellen aussendet. Menschen, die von den Strahlen getroffen werden, sollen brennende Schmerzen erleiden - als stünden sie in Flammen.

Zwei Soldaten und zehn Reporter durften das jetzt am eigenen Leib erfahren: Sie haben sich bei der Präsentation auf der Moody Air Force Base im US-Bundesstaat Georgia freiwillig als Ziele zur Verfügung gestellt. Einer der Journalisten berichtete anschließend von heftigen Schmerzen. Das Gefühl habe an einen Hitzestoß aus einem heißen Ofen erinnert. Er habe sofort Deckung gesucht - trotz mehrerer Schichten warmer Winterkleidung.

Nach Angaben des Pentagons erhitzen die Mikrowellen die Haut der Getroffenen auf 50 bis 55 Grad Celsius. Die Strahlung mit einer Frequenz von 95 Gigahertz dringe aber nur 0,4 Millimeter tief in die Haut ein, so dass keine Gefahr bleibender Schäden bestehe. Die Strahlung handelsüblicher Mikrowellenherde könne dagegen mehrere Zentimeter tief ins Gewebe eindringen.

Kritiker warnen vor Augenschäden

Kritiker geben sich weit weniger sorgenfrei. Ihr Argument: Bei Massendemonstrationen könne es durchaus geschehen, dass Menschen nicht in der Lage sind, schnell aus dem Bereich des Strahls zu flüchten. In einem solchen Fall könne es nicht nur auf der Haut zu Verbrennungen kommen, auch die Augen könnten Schaden nehmen.

"Unter Hitzeeinwirkungen dehnen sich das Kammerwasser und der Glaskörper des Auges aus", sagte Olaf Strauß, Augenheilkundler an der Uniklinik Hamburg-Eppendorf, bei Bekanntwerden des "Projekts Sheriff" zu SPIEGEL ONLINE. Das Resultat seien die gleichen Symptome wie bei einem akuten Grünen Star: Der erhöhte Innendruck presst die Blutgefäße des Auges weg, schädigt den Sehnerv und kann zur Erblindung führen. "Bei einem akuten Glaukom sieht das Auge furchtbar aus", sagte Strauß.

Es sei zwar offen, ob die Mikrowellen tief ins Auge eindringen oder von der Hornhaut abgefangen werden. Doch auch dann bestehe die Gefahr einer Hornhauttrübung. "Die Hornhaut ist nur bei den richtigen Druckverhältnissen und einem bestimmten Wassergehalt transparent", so Strauß.

Vertreter der US-Armee verteilten dagegen bei der Waffenpräsentation Dokumente, denen zufolge mehr als 10.000 Menschen während der Tests den Mikrowellen ausgesetzt waren. Während der fortgeschrittenen Entwicklungsphase in den vergangenen fünf Jahren sei es zu keinen Verletzungen gekommen, die medizinischer Behandlung bedurft hätten. Offen blieb jedoch, ob Menschen auch längerer Zeit der schmerzhaften Strahlung ausgesetzt waren.

Mikrowellen statt Gewehrkugeln

Die Mikrowellen-Waffe ist hochmobil: Die Antenne kann schon auf relativ kleinen Fahrzeugen wie etwa dem Militär-Geländewagen "Humvee" montiert werden, der unter dem Namen "Hummer" auch als Pkw unterwegs ist. Bei der Vorstellung in Georgia waren die Mikrowellen auf mehr als 500 Meter Entfernung wirkungsvoll. Damit läge die Reichweite des ADS weit höher als die bisheriger nichttödlicher Waffen wie etwa Gummigeschossen. Die Entwicklungsfirma Raytheon nennt den Prototypen "Silent Guardian" ("Stiller Wächter") und hofft bei Verkäufen ins Ausland auf Milliardengewinne.

Obwohl es noch bis 2010 dauern könnte, ehe das "Active Denial System" einsatzbereit ist, hätten alle Truppengattungen des US-Militärs Interesse angemeldet, sagte Colonel Kirk Hymes, Direktor des Entwicklungsprogramms des Pentagons für nichttödliche Waffen.

"Das ist eine der Schlüsseltechnologien der Zukunft", so Hymes. Nichttödliche Waffen seien eine neue und wichtige Zwischenstufe im Instrumentarium der Gewalt. In Krisengebieten wie etwa im Irak könne die Mikrowellen-Kanone eine dringend benötigte Alternative zur bisherigen Vorgehensweise darstellen. Denn die bestehe darin, direkt vom Rufen zum Schießen ("shouting to shooting") überzugehen.

Quelle: Spiegel.de

So funktionieren Amerikas neue Mikrowellen-Kanonen

Es klingt nach Science Fiction: Mit Mikrowellen will die US-Armee künftig feindliche Elektronik zerstören - ohne dass dabei dabei Menschen oder Gebäude zu Schaden kommen. Führende US-Konzerne arbeiten an Waffen, die den Feind mittels Mikrowellen ausschalten sollen. Boeing hat die Prototypen bereits getestet – und fand dabei einen Vorteil gegenüber üblichen Raketen.

Bislang haben von Bombern oder Schiffen abgefeuerte Marschflugkörper vor allem ein Ziel: Sie sollen möglichst genau feindliche Ziele treffen und durch eine Explosion vernichten. Die Militärs nehmen dabei den Tod von Menschen in Kauf. In Zukunft könnten die Cruise-Missiles statt Sprengstoff lautlose Mikrowellentechnik transportieren.

Dann würden nicht mehr Bunker oder Anlagen durch Druckwellen zerstört, sondern nur Computer und Elektrik. Ohne Strom, Funk und Datenverbindung wäre ein Feind mit moderneren Waffen weitgehend lahmgelegt. Das ist das Kalkül.

Der führende Hersteller von US-Lenkwaffen, Raytheon, hat von der US-Luftwaffe jetzt einen 4,8-Millionen-Dollar-Auftrag erhalten, eine herkömmliche Cruise-Missile als Mikrowellenwaffe auszurüsten. Die Experten sprechen vom CHAMP-Projekt (Counter-Electronics High Power Microwave Advanced Missile), bei dem mit elektromagnetischen Wellen und nicht durch Druckwellen die elektronischen Systeme des Gegners ausgeschaltet werden.

Auch Boeing arbeitet an Mikrowellenraketen

Nach der Einstufung der Militärs sind die starken Mikrowellensender eine nicht tödliche Waffe. Es werden jedoch keine Angaben gemacht, wie sich die Extremstrahlung tatsächlich auf Menschen auswirkt.

Neben dem Rüstungskonzern Raytheon arbeitet auch Boeing an Mikrowellenraketen. Der in der Öffentlichkeit eher für seine Zivilflugzeuge bekannte Konzern hatte bereits im Oktober 2012 auf einem Testgelände in den USA mit einem Marschflugkörper die Technik demonstriert. Auch damals kam bereits Technik von Raytheon mit zum Einsatz.

Dabei wurden binnen einer Stunde auf sieben Objekte gezielte Mikrowellenstrahlen geschickt. Selbst in mehrstöckigen Gebäuden wurden die Elektrik, Computer, Telefone und Kameras angeblich so lahmgelegt, dass sie kurzfristig nicht mehr zu reparieren waren. Am Ende der Mission zerstörte sich der Marschflugkörper selbst.

Feindliche Elektronik und Datensysteme ausschalten

Die Militärs machen keine Angaben, inwieweit die Mikrowellenwaffen auch gegen speziell abgeschirmte Militärelektronik wirksam sind. Herkömmliche Elektrotechnik und elektronische Steuerungen etwa für die Energieversorgung wären jedenfalls nicht geschützt. Nach Angaben von Boeing könnten die USA die Mikrowellentechnik einsetzen, um feindliche Elektronik und Datensysteme auszuschalten, noch bevor erste Flugzeuge eintreffen.

Die Möglichkeit für einen Angriff mit Mikrowellenwaffen sehen Militärexperten als weiteren Baustein für eine künftige Hightech-Kriegsführung. Dazu können auch gezielte Cyberattacken auf Computersysteme gehören, die zur Steuerung der Infrastruktur oder von Industrieanlagen genutzt werden.

Für die Rüstungsindustrie ist wiederum die Abwehr und der Schutz vor Cyberangriffen ein Zukunftsgeschäft. So trennt sich beispielsweise die Airbus Group bei ihrem anstehenden Verkauf großer Teile ihrer Rüstungselektronik an den US-Finanzinvestor KKR nicht von seinem Cybersecurity-Geschäft. Das Know-how wird nicht nur zum Schutz des eigenen Konzerns vor Hackerangriffen genutzt, sondern verstärkt auch an interessierte Drittkunden vermarktet.

Quelle: Welt.de

Energiewaffen: Mit Mikrowellen in den Krieg

Die USA besitzen angeblich eine neue Wunderwaffe: Starke Mikrowellen-Blitze sollen die Elektronik in feindlichen Bunkern, Waffen und Fahrzeugen durchschmoren lassen. Experten warnen dagegen vor verheerenden Terror-Anschlägen mit billigen und einfach herzustellenden "E-Bomben".

Berlin - Strahlenkanonen wurden bisher nur auf Science-Fiction-Schlachtfeldern abgefeuert. Die US-Militärs aber stehen nach einem Bericht des amerikanischen "Time"-Magazins kurz vor dem Einsatz solcher Waffen in realen Kriegen: Hochenergie-Mikrowellen ("High-Power Microwaves") sollen schon in einem möglichen Irak-Krieg den Feind besiegen, indem sie jede elektronische Ausrüstung unbrauchbar machen. Die Mikrowellen-Waffe feuert einen lichtschnellen elektromagnetischen Puls (EMP) ab, der Computer und Funkgeräte zerstört, Flugzeuge und Raketen lahm legt, Panzer und Jeeps stoppt.

Dass es sich hierbei nicht um bloßes Wunschdenken handelt, legt ein Dokument der US-Luftwaffe nahe. Die Studie zum Einsatz von Hochenergie-Mikrowellen in modernen Kriegen ist eines der wenigen nicht-geheimen Dokumente über die Energiewaffen-Forschung an der Kirtland-Luftwaffenbasis in Albuquerque (New Mexico). "Hochenergie-Mikrowellen sind bereit für den Übergang in die aktiven Waffensysteme des US-Militärs", schrieb die Autorin, Luftwaffenoberst Eileen M. Walling, bereits im Mai 2000. Die Technologie könne ein "revolutionäres Konzept der Kriegführung" darstellen.

In der Tat verfügen Energiewaffen über bestechende Vorteile: Sie sind leicht und kompakt, enorm effektiv, wetterunabhängig, lassen Gebäude weitgehend unzerstört, die Umwelt unvergiftet und die Menschen am Leben. In Wallings Bericht ist die Rede von der erfolgreichen Entwicklung eines 22 Kilogramm leichten Mikrowellen-Generators, der innerhalb weniger Milliardstel Sekunden einen Energiestoß von einem Gigawatt aussenden kann. Ein größerer Typ bringe es im gleichen Zeitraum gar auf 20 Gigawatt.

Nur 200 Kilogramm soll diese Energiebombe wiegen. Damit wäre sie leicht genug, um in einen gewöhnlichen Tomahawk-Marschflugkörper zu passen. Denkbar sei aber auch der Einsatz von Energiewaffen an Bord von Awacs-Aufklärungsflugzeugen oder unbemannten Flugkörpern wie der amerikanischen "Predator"-Drone, schrieb Walling.

Alptraum für Sicherheitsexperten

Was Militärexperten träumen lässt, bereitet Sicherheitsexperten schlaflose Nächte. Denn den größten Schaden können Energiewaffen in westlichen Industrienationen anrichten, in denen ein öffentliches Leben schon längst nicht mehr ohne Computer und Elektrik denkbar ist.

Für Besorgnis sorgt vor allem die Annahme, dass wirkungsvolle nicht-nukleare E-Bomben schon mit einfachsten Mitteln und geringstem finanziellen Aufwand hergestellt werden können. Während die in Wallings Studie beschriebenen High-Tech-Waffen der US-Streitkräfte auf komplizierten Hochenergie-

Mikrowellen-Generatoren beruhen, warnen Physiker der Northwestern University in Evanston (Illinois) vor einer Billig-Bombe, die auf dem einfachen Prinzip des Flux-Kompensationsgenerators beruht.

Billig-Bombe für 400 Euro

Diese rudimentäre, aber äußerst wirkungsvolle Waffe könnte nach Meinung der Forscher mit Technik aus den vierziger Jahren und Material im Wert von umgerechnet 400 Euro gebaut werden - und dennoch eine verheerende Wirkung entfalten.

Die Konstruktion ist denkbar einfach: Ein mit Sprengstoff gefülltes, verformbares Kupferrohr wird mit starkem Kupferdraht umwickelt, der mit Hilfe von starken Kondensatoren ein starkes Magnetfeld erzeugt. Die ganze Konstruktion wird von einem harten Polymer-Mantel umschlossen, der die Explosionsenergie gezielt in eine Richtung abgibt.

Wird der Sprengstoff gezündet, dehnt sich das Kupferrohr von hinten nach vorn aus und berührt die Magnetspule. Dabei kommt es zu einem wandernden Kurzschluss: Das Magnetfeld der Spule wird in Bruchteilen von Sekunden stark komprimiert, während die elektrische Energie im Kupferrohr eingeschlossen bleibt. Das Resultat sind enorme magnetische Kräfte und ein elektrischer Puls von bis zu einer Million Ampere - weit mehr als bei einem Blitzschlag. "Eine solche Bombe kann mit einfachen elektrischen Materialien, Plastiksprengstoff und leicht zu beschaffenden Werkzeugen gebaut werden", warnen die Forscher der Northwestern University. "Sie wäre kleiner als ein Aktenkoffer."

Das US-Repräsentantenhaus beschäftigte sich schon 1997 mit der Bedrohung. Das Szenario, das Wissenschaftler in einer Anhörung vor dem Ausschuss für Nationale Sicherheit entwarfen, ließ die Abgeordneten schaudern: "Es ist schwer, das Ausmaß der Auswirkungen eines elektromagnetischen Pulses auf die zivile Infrastruktur auch nur zu erahnen", erklärte Physiker Gary Smith von der John Hopkins University. Nahezu unmöglich sei es, die gesamte Infrastruktur der USA zu schützen.

Wie verheerend sich der elektromagnetische Puls auswirken kann, ist spätestens seit 1962 bekannt. Bei einer Serie von US-Atomwaffentests in großen Höhen (Codename: "Fishbowl") wurde über dem Pazifik eine Atombombe namens "Starfish Prime" gezündet. Sie blies noch auf dem 1300 Kilometer entfernten Hawaii Radiosender aus dem Äther. Auch zahlreiche elektrische Geräte auf der Insel fielen der Energiewelle zum Opfer.

Schwere Schäden an der Infrastruktur

Nicht-nukleare EMP-Waffen setzen zwar weniger elektromagnetische Energie frei als Nuklearwaffen, doch sie fokussieren ihren Blitz auf ein enges Gebiet - und können dadurch eine ähnlich verheerende Wirkung erreichen. Der EMP wird von allen metallischen Gegenständen und Antennen förmlich aufgesogen und als elektrischer Strom weitergeleitet. Transformatoren von Kraftwerken, elektronische Bauteile und die meisten anderen Geräte mit einer Verbindung zum Stromnetz werden schwer beschädigt.

Die Spannung in den Leitungen kann mehrere Hunderttausend Volt erreichen. Alles, was mit elektromagnetischen Wellen arbeitet - etwa Funk- und Radaranlagen, Computer, Fernsehgeräte - ist anschließend schrottreif. Selbst vom Stromnetz getrennte Laptops werden unbrauchbar: Der EMP erzeugt dermaßen starke magnetische Felder, dass auf Festplatten und Disketten nur noch unlesbarer Datensalat übrig bleibt.

Direkte Auswirkungen auf das menschliche Nervensystem gelten wegen der Kürze des elektromagnetischen Pulses als unwahrscheinlich. Indirekt könnten die Energiebomben dennoch töten: Im Zielgebiet der Waffe dürften auch Herzschrittmacher und lebenserhaltende Systeme in Krankenhäusern ausfallen.

"Es ist anzunehmen, dass praktisch unsere komplettes Kommunikationssystem extrem EMP-verwundbar ist", betonte Lowell Wood vom renommierten Lawrence Livermore Laboratory in der Anhörung des Repräsentantenhauses. "Unsere nationale Politik der Nacktheit gegenüber Feinden, die EMP-Waffen besitzen könnten, trägt immer stärkere Züge von Masochismus."

Quelle: Spiegel.de

Antiterrorkampf: Mit der Strahlenkanone gegen Terroristen

Mit elektromagnetischen Impulsen können Fahrzeuge aus der Ferne gestoppt werden. Ein Prototyp existiert bereits, kann das Gerät bald gegen Terroristen eingesetzt werden? Die Firma Diehl Defence hat eine Technik entwickelt, mit der per starkem elektromagnetischen Impuls fahrende Fahrzeuge gestoppt werden können.

London, Stockholm, Nizza, Berlin und nun Barcelona – die islamistischen Anschläge in diesen Städten schockierten Bürger, Politiker und Sicherheitskräfte. Die Gemeinsamkeit: Autos wurden als Mordwaffe missbraucht, mit Lastwagen und Kleintransportern rasten die Täter minutenlang durch die Innenstädte und überfahren wahllos Passanten. In Barcelona hinterließ der Täter auf der Flaniermeile La Rambla eine rund 700 Meter lange Spur des Todes, in Nizza raste der Attentäter zwei Kilometer lang über die Promenade des Anglais und tötete dabei 86 Menschen. In London steuerten die Mörder den Lkw über den Gehweg der London Bridge.

Das Problem der Sicherheitskräfte: Die Möglichkeiten, Terroristen auf ihren todbringenden Fahrten zu stoppen, sind begrenzt. Auf fahrende Autos zu schießen und den Fahrer auszuschalten, erfordert viel Geschick und birgt außerdem das Risiko von gefährlichen Querschlägern. Poller können zwar den Zugang von Autos zu belebten Plätzen und Einkaufsstraßen verhindern – sämtliche Anschlagsziele lassen sich auf diese Weise aber kaum abriegeln.

Polizei, Forschungsinstitute und Rüstungskonzerne arbeiten zusammen

Aufgrund der jüngsten Attacken in Barcelona und Cambrils rückt daher eine neue Technik in den Fokus der Sicherheitskräfte: eine Strahlenpistole, mit der elektromagnetische Impulse und Hochleistungs-Mikrowellen abgefeuert werden können. Trifft die Strahlung ein Auto, versagt dessen Elektronik – der Motor bleibt abrupt stehen und lässt sich auch nicht wieder starten, solange der Strahlenbeschuss andauert.

Was nach einer futuristischen Waffe klingt, hat die EU-Kommission in den vergangenen Jahren mit zwei Forschungsprojekten vorangetrieben. Federführend war das Programm Savelec, der Name stammt von der englischen Abkürzung für den Zweck des Projekts: Sicherung von unkontrollierbaren Fahrzeugen durch elektromagnetische Hilfsmittel. Polizeibehörden arbeiten in dem Savelec-Programm mit Forschungsinstituten, Elektronikspezialisten und Rüstungskonzernen zusammen. Bei dem zweiten EU-Projekt, Titel: Aeroceptor, geht es um den Einsatz ferngelenkter Drohnen, um die neuartigen Strahlenwaffen auch aus der Luft abfeuern zu können.

"Die Leistungsfähigkeit hat alle Erwartungen übertroffen"

In Deutschland waren Fachleute des Landeskriminalamts Sachsen-Anhalt, der Universität Magdeburg, des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt und der Firma IMST GmbH an dem Savelec-Projekt beteiligt. "Es ist uns gelungen, einen Prototypen herzustellen, der in der Lage ist, Autos aus der Ferne zu stoppen", berichtet Projektleiterin Martinez Vázquez nach der mehrjährigen Forschungsarbeit. Die Wissenschaftler prüften im Labor die am besten geeigneten Signalfrequenzen und Schwingungsdauern, die Ergebnisse wurden anschließend im abgesperrten Gelände getestet. Dabei habe die Leistungsfähigkeit des Prototyen alle Erwartungen übertroffen, sagt Vázquez.

Neben den technischen Aspekten untersuchten die Savelec-Forscher auch die möglichen Nebenwirkungen der elektromagnetischen Strahlen – beispielsweise, ob dadurch Benzintanks explodieren, Airbags gezündet werden oder die Batterien von Elektroautos in Brand geraten können. "Die Ergebnisse zeigen, dass von der Strahlung wahrscheinlich keine Gefahr ausgeht", heißt es dazu in dem 17-seitigen Abschlussbericht. Es sei nicht damit zu rechnen, dass sich Materialien an Bord der Autos entzündeten oder explodierten.

Ursprünglich sollte die Technik Bankräuber und Drogendealer aufhalten

Als die Forschungsarbeiten vor fünf Jahren begannen, sprach man noch von "nicht kooperativen Autos", die mithilfe der neuen Technik gestoppt werden sollen. Dabei dachte man vor allem daran, Bankräuber oder andere Kriminelle auf ihrer Flucht zu stoppen oder die Konvois von Staatsoberhäuptern gegen Angriffe abzusichern. Von Terroristen, die Fahrzeuge als tödliche Waffen missbrauchen, war damals noch nicht die Rede.

Doch die sich häufenden Anschläge in den europäischen Großstädten machen die Savelec-Forschung aktueller und wichtiger denn je. Deshalb fordern Sicherheitsexperten, die Entwicklungsarbeiten fortzusetzen und die Technik baldmöglichst einsatzbereit zu machen. Eine der Hauptaufgaben der nächsten Zeit ist es laut Projektkoordinatorin Vázquez, den Prototypen zu verkleinern und damit praxistauglicher zu machen. Auch müsse man die Wirkung des Geräts noch an verschiedenen Automodellen testen – vor allem alte Wagen können noch nicht per Strahlenschuss untauglich gemacht werden: Damit die Technik wirken kann, muss das Fahrzeug mit einem elektronischen Motormanagement oder einer elektronischen Zündung ausgestattet sein, wie sie seit Mitte der 1980er Jahre in die meisten Autos eingebaut wird.

Doch es gibt auch Stimmen, die Bedenken gegen die neuartige Technik äußern. Sie fordern klare Regeln und Vorschriften für den Einsatz der Strahlenwaffe. Ihnen geht es zu weit, dass die Savelec-Forscher ein solches Gerät auch für die "täglichen Operationen" der Polizei empfehlen – also zum Beispiel auch für Verkehrskontrollen oder Verfolgungsfahrten. "Ein solches Gerät sollte nur gezielt bei wirklich schweren Straftaten zum Einsatz kommen. Im täglichen Polizeidienst wird es mehr Risiken als Nutzen bringen", sagt Matthias Knobloch, verkehrspolitischer Sprecher des Auto Club Europa (ACE).

Gesundheitsrisiken für Passanten?

Sein Hauptanliegen: Wer könne es im dichten Straßenverkehr verantworten, ein einzelnes Auto mitten auf der Fahrbahn derart abrupt stoppen zu lassen? Auch der ADAC ist skeptisch und zweifelt an der Genauigkeit des Strahlenangriffs: Wenn auch unbeteiligte Fahrzeuge getroffen werden und Autofahrer deshalb die Kontrolle über ihre Wagen verlieren, könnte der Einsatz der neuen Technik schwere Unfälle verursachen, so die Argumentation.

Unklarheit herrscht auch noch über die Risiken der Hochleistungswellen auf die Gesundheit anderer Autofahrer oder der Passanten am Straßenrand. Zwar habe man diese Problematik bei über 1.000 Simulationen untersucht, sagen die Forscher. Doch in einer Ende Juli veröffentlichten Mitteilung betont die EU-Kommission, dass diesbezüglich noch weiterer Klärungsbedarf besteht.

Wahrscheinlich lässt sich der Einsatz der Strahlenwaffe trotzdem nicht mehr aufhalten. Während das Savelec-Projekt noch im Forschungsstadium steckt, hat die süddeutsche Firma Diehl Defence ein ähnliches Gerät bereits auf den Markt gebracht. Es heißt "HPEM Carstop" und besteht im Wesentlichen aus zwei zylinderförmigen Antennen, die im Kofferraum eines Offroaders Platz finden. Auf Knopfdruck sendet der Apparat einen starken elektromagnetischen Impuls aus, der laut Hersteller "Fluchtfahrzeuge im fließenden Verkehr ohne Anwendung physischer Gewalt und dauerhafter Schädigung der Elektronik stoppen sowie die unberechtigte Zufahrt zu Sicherheitsbereichen verhindern kann".

70 Prozent aller Autos lassen sich per Knopfdruck stoppen

Die Strahlung reiche bis zu 15 Meter weit und lasse sich so zielgenau justieren, dass nur die Motorelektronik gestört werde, versichert Diehl Defence. Das habe man an 60 verschiedenen Fahrzeugtypen erfolgreich getestet. Andere Bauteile des Autos und die Insassen würden nicht angegriffen. Insgesamt könne man bereits 70 Prozent aller Autos per Knopfdruck stoppen.

Zu den Kaufinteressenten dieser Technik zählten bisher offenbar nur Militärs, darunter auch die Bundeswehr. Ob auch Polizeibehörden an der Strahlenkanone Interesse zeigen, will Diehl nicht sagen. In einer Firmenbroschüre berichtet das Unternehmen jedoch, dass die HPEM-Technik bereits "in mehr als einem Dutzend Ländern" im Einsatz sei. Einen Prototypen habe man auch 2015 beim G7-Gipfeltreffen in Schloss Elmau aufgestellt – dort allerdings, um unerwünschte Flugobjekte abzuwehren.

Inzwischen haben Diehl-Experten die Anlage weiterentwickelt und eine mobile, elektromagnetische Straßensperre in Form eines Autoanhängers hergestellt: Sicherheitskräfte könnten Fahrzeuge, etwa in der Nähe von Großveranstaltungen, an dem Anhänger vorbeilotsen und sie bei Terrorverdacht per Strahlenimpuls sofort an der Weiterfahrt hindern.

Die Technik könnte also vermutlich nicht alle Terroranschläge nach dem Muster von Nizza oder Barcelona gänzlich verhindern – aber die Terroristen womöglich bereits nach wenigen Metern stoppen.

Quelle: Zeit.de

Wer wird zuerst eine EMP-Waffe einsetzen?

Im Wettlauf um funktionsfähige EMP-Systeme, den Waffen für das digitale Zeitalter, geht die Entwicklung in Richtung taktischer Systeme, was die Einsatzschwelle senken wird.

Die gefährlichste Waffe gegen digitalisierte Staaten und ihr Militär ist ein massiver elektromagnetischer Impuls, der die elektronische und digitale Infrastruktur eines ganzen Landes lahmlegen oder ausschalten könnte. Die Entwicklung des Computers hat mit der Atombombe bereits die finale Waffe geschaffen, denn mit einer hoch in der Luft zur Explosion gebrachten Atombombe wird durch die freigesetzte Radioaktivität Leben nicht in Gefahr gebracht, aber der dadurch ausgelöste elektromagnetischer Impuls kann großflächig alle nicht gehärteten Netzwerke und elektronische Geräte kurzzeitig, aber auch dauerhaft ausschalten.

Die potenziell katastrophale Bedrohung durch nukleare EMP-Waffen ist seit den 1960er Jahren bekannt, derzeit besteht vor allem Sorge, dass Nordkorea nun mit Langstreckenraketen und Atomsprengköpfen die Fähigkeit besitzen könnte, die USA in weiten Teilen nur mit einem einzigen Atombombenangriff, der von der Raketenabwehr nicht verhindert werden kann, zwar nicht zu zerstören, aber nachhaltig ins Chaos zu stürzen (Warnung vor einem nordkoreanischen EMP-Angriff auf die USA).

Die Ängste kursieren schon länger, aber EMP-Waffen werden natürlich nicht nur von Nordkorea entwickelt bzw. in Strategien bedacht. Zuletzt wurde die Hoffnung geäußert, dass das Pentagon mit einer EMP-Waffe aufsteigende Langstreckenraketen wirksam kurz nach dem Abschuss außer Funktion setzen könnte. Im Zentrum steht dabei das von Boeing und Raytheon entwickelte Counter-electronics High Power Microwave Advanced Missile Project (CHAMP), das 2012 erstmals angeblich erfolgreich getestet wurde. Dabei wurde ein drohnenähnlicher Marschflugkörper von einem Flugzeug abgefeuert, die mit Hochleistungsmikrowellen einen elektromagnetischen Impuls erzeugte, der Computer und elektronische Geräte während einer Stunde in sieben Objekten unwiederherstellbar schädigte. Im Unterschied zu einer nuklearen EMP-Waffe ist CHAMP eine Waffe, die nur lokal einzelne Ziele angreift.

Ähnlich wie ein nuklearer EMP-Angriff keine direkten Opfer wie eine konventionelle oder nukleare Bombe verursachen würde, hätte CHAMP den Vorteil, dass zwar die elektronischen Systeme einer Rakete ausgeschaltet werden können, ohne einen Menschen zu schädigen, aber auch alle anderen elektronischen Systeme oder Radarsysteme in der Nähe wären von diesem "EMP-Präzisionsschlag" betroffen. Nach dem ersten CHAMP-Test verkündete der damalige Programmmanager pflichtschuldig die optimalen Ziele der Technik, wie sie einmal sein könnte. Man könne damit die "elektronischen und Datensysteme eines Feindes unbenutzbar machen, bevor die ersten Truppen oder Flugzeuge treffen". Es heißt, die EMP-Waffe habe mit hundertprozentiger Genauigkeit funktioniert.

Die Idee also wäre, mit einer Rakete von einem Flugzeug ein CHAMP-System abzufeuern und damit den weiteren Aufstieg einer nordkoreanischen Langstreckenrakete zu verhindern, indem die Elektronik eingefroren wird. Da nicht klar ist, ob die amerikanischen Raketenabwehrsysteme Patriot, THAAD, Aegis oder NMD die Rakete während des Aufstiegs oder während des Wiedereintritts in die Atmosphäre abfangen können, hätte man so womöglich ein sicheres Mittel, suggerieren die Vertreter der Technik. Die Vorstellung ist, viele solcher Raketen im Fall des Falles abzuschießen, es müssten allerdings die Flugzeuge vor Ort sein und die Raketen müssten ihrem Ziel nahe kommen, damit die Mikrowellen die Elektronik lahmlegen können.

Das Versprechen ist, dass für diese Abwehrmethode keine Bodentruppen und keine massiven "kinetischen" Angriffe notwendig seien, ja, dass eigentlich mit dem Abfangen der gegnerischen Rakete gar kein kriegerischer Angriff stattfindet. Allerdings muss CHAMP mit einer normalen Rakete geliefert werden, die von Nordkorea eben als normale oder auch nukleare Rakete betrachtet werden könnte, also als Angriff, auf den mit allen Mitteln reagiert würde.

Was also als relativ harmlose Abwehr mittels einer nichttödlichen Waffe erscheint, die nur die Kontrollsysteme einer Rakete ausschaltet, könnte schnell eben in einen Atomkrieg münden, der gerade verhindert werden sollte. Zudem wäre mit dem Einsatz von CHAMP-Raketen das Spiel mit EMP-Waffen eröffnet, was bislang von allen Seiten vermieden wurde. Allerdings sind CHAMP-Raketen noch nicht vorhanden, sie sollen aber bei Bedarf angeblich schnell einsatzbereit sein. Das kann natürlich nur ein Wink an Nordkorea sein, ohne Tatsachen zu entsprechen.

In den USA wird die Angst vor russischen EMP-Waffen aufgebaut

In die Diskussion sprang schnell The National Interest, herausgegeben vom Center for the National Interest, ein und wies auf eine größere Bedrohung durch EMP-Waffen als Nordkorea hin. Es ist natürlich Russland, der große Gegner des Kalten Kriegs, der seit einiger Zeit reaktiviert wurde. In russischen Medien wurde eine neue taktische EMP-Waffe beschrieben, die als bedrohlich gilt, obgleich sie ähnlich wie CHAMP nur lokale Auswirkungen hat.

Im Rahmen des Alabuga-Programms zur Entwicklung von EMP-Waffen soll es auch eine Rakete geben, die 200 bis 300 Meter über einer feindlichen Stellung einen elektromagnetischen Impuls mit einem UHF-Feld (Ultra-High-Frequency) mit einer Reichweite von 3,5 km abgibt. Er soll Computer, Radarsysteme, Kommunikationssysteme und Präzisionswaffen nicht nur lahmlegen, sondern unbrauchbar machen: "Auch wenn das System nichttödlich ist und keine schädlichen Wirkungen auf Menschen entfaltet, sind die elektromagnetischen Wirkungen der Rakete (bis zu 100 Gigawatt) angeblich mit einer Atomwaffe vergleichbar", heißt es in einem Ende September erschienenen Artikel der Rossiyskaya Gazeta, der vom U.S. Army's Foreign Military Studies Office übersetzt wurde.

Überdies sei bereits eine seit 2001 einsatzfähige EMP-Waffe namens Ranets-Ye entwickelt worden. Sie könne mit einer 20 Nanosekunden langen 500-MW-Strahlung im Umkreis von 8-14 km alle elektronischen Komponenten zerstören und in einem Umreis von 40 km diese lahmlegen, womit Flugzeuge, Raketen und jede Munition mit Elektronik ausgeschaltet werden können. Das würde auch die eigenen Systeme im Umkreis einschließen, wenn diese nicht gehärtet sind. National Interest meint nach der ersten Beschwörung einer Waffe, die möglicherweise nur ein Wunschtraum ist, dass sie gar nicht vom russischen Militär gewünscht wurde, weil das EMP-Kurzstreckenraketensystem eine direkte Sichtlinie zum Ziel voraussetze und überdies 20 Minuten zum Neuaufladen brauche, wodurch es schnell zum Angriffsziel würde.

Deutlich wird an der Diskussion, dass eifrig EMP-Waffen entwickelt werden und dass versucht wird, die Einsatzschwelle ebenso herabzusetzen, wie dies mit taktischen Atomwaffen anvisiert wird. Die ultimative EMP-Waffe, die mit einer hoch gezündeten Atombombe ein riesiges Gebiet elektronisch zur Wüste machen kann, bleibt in der Hinterhand. Aber taktische EMP-Waffen sind, wenn sie gegen einen mächtigen Gegner gerichtet werden, zwar ähnlich nichttödlich wie Cyberangriffe, aber sie können dennoch leichter einen Krieg auslösen, weil sie sich taktisch einsetzen lassen.

In der Luft schwebt das EMP-Kriegsszenario deswegen, weil es gegen einen großen Angriff kaum Mittel gibt, die Folgen wirksam einzudämmen. Die US-Stromkonzerne sagen, sie würden zwar Sicherheitsmaßnahmen gegen EMP-Angriffe und Sonnenstürme treffen, aber könnten die Folgen nicht wirklich verhindern, auch wenn man besser gegen Blitze oder lokale EMP-Angriffe gerüstet wäre. Alles zu härten, wurde zu "astronomischen Kosten" führen. EIN EPRI-Bericht (Electric Power Research Institute) gibt eine gewisse Entwarnung. Nach Simulationen würde die Explosion einer 1,4-Megatonnen-Atombombe in der Höhe von 400 km nur regional die Stromversorgung unterbrechen. Das würde nur einige Bundesstaaten, nicht aber die gesamten östlichen oder westlichen Netzwerke betreffen. Nach keinem der Szenarien würde die Stromversorgung landesweit zusammenbrechen.

Quelle: Heise.de

Mikrowellen als Nahkampfwaffe

Nachbarn attackieren sich mit manipulierten Herden. Die Strahlung dringt durch Wände und führt zu schweren Gesundheitsschäden. Schon 150 Strafverfahren.

Wenn Irmgard K. aus Kalchreuth bei Nürnberg ihre Ruhe haben will, dann muss sie raus. Raus aus ihrer Wohnung, irgendwohin, nur weg. Bleibt sie zu Hause, geht es wieder los: Kopfschmerzen, Gleichgewichtsstörungen, ein Dröhnen in den Ohren, Herzrasen. Schuld daran sind Mikrowellen, die offenbar bewusst in die Wohnung von Irmgard K. gelenkt werden, um sie zu quälen. Übel meinende Nachbarn, so der Verdacht, bestrahlen die Wände ihrer Wohnung mit einem umgebauten Mikrowellenherd. Ihr Lebensgefährte Dr. Reinhard Munzert spricht von "einer neuartigen Form von High-Tech-Verbrechen", dem im gesamten Bundesgebiet immer mehr Menschen zum Opfer fallen. Rund zwanzig von ihnen haben sich schon in der von ihm gegründeten "Interessengemeinschaft der Opfer von Elektro-Waffen" zusammengeschlossen. Sie versuchen, sich selbst zu helfen, weil die Polizei ihnen nicht glaubt, die Staatsanwaltschaft nicht, meist nicht mal der engste Freundeskreis.

Für Irmgard K. fing alles mit einer Bagatelle an. Sie stritt mit ihren Nachbarn über deren fünf Hunde, weil sie deren Gebell nicht ertragen konnte. Der Streit eskalierte zum "Nachbarschaftskrieg". Danach hatte sie die Beschwerden: "Plötzlich hörte ich immer wechselnde Töne und hatte Schlafstörungen." Reinhard Munzert recherchierte für sie, bis ihn schließlich Techniker an der Universität Erlangen auf die Idee mit den Mikrowellen brachten. "Wir wissen", sagt Munzert, "dass das ungeheuerlich klingt." Er und seine Freundin würden aber tatsächlich "wie Fleisch in einer Mikrowelle angegangen".

Klaus Münter von der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt in Braunschweig bestätigt gegenüber WELT am SONNTAG, "dass es technisch möglich ist", Nachbarn durch Wohnungswände hindurch mit umgebauten Mikrowellenherden zu bestrahlen. Denn die Wände halten nur die Hälfte der starken Strahlung ab, Fenster lassen sogar alles durch. Für den Umbau eines Herdes zur Strahlenschleuder sei allerdings eine technische Ausbildung nötig. Das bestätigt auch Professor Peter Pauli von der Universität der Bundeswehr: "Ein Mikrowellengerät hat eine Leistung von etwa 800 Watt. Um diese zu einem Strahl zu bündeln, braucht man eine starke Richtantenne." Zudem müssten zwei Sicherheitsschalter überbrückt werden. Wem das gelungen ist, kann seinen Nachbarn mit einer Dosis tyrannisieren, die annähernd hundertfach stärker ist, als es das Bundesimmissionsschutzgesetz erlaubt, das den Grenzwert für die Strahlung von Mobilfunkantennen bei zehn Watt pro Quadratmeter festgesetzt hat.

Diese Zahlen kennen Friedhelm und Gertrud Kuhn aus Bochum schon lange auswendig. Denn auch sie werden in ihrem Haus aus unbekannter Quelle bestrahlt, seit Weihnachten 1999. Auch hier begann es mit Nachbarschaftsstreitigkeiten. Friedhelm Kuhn spürte zuerst nur ein Flackern im Auge, später kamen Bluthochdruck, Herzstiche und das "Gefühl zu kochen" dazu. "Immer, wenn ich mein Haus betrete, fühlt es sich an, als bekäme ich einen Sonnenbrand", beschreibt er den Einfluss der Mikrowellen auf seinen Körper. Durch seine Arbeit als Elektrotechniker kam Kuhn auf den Gedanken, dass er es mit Strahlen zu tun haben könnte und erstattete Anzeige wegen Körperverletzung. Doch er blitzte ab. Kuhn: "Der Staatsanwalt sagte, mit Hirngespinsten gebe er sich nicht ab." Da griff der Elektrotechniker zur Selbsthilfe: Er beklebte die Innenwände seines Hauses mit Aluminiumfolien, weil die wenigstens einen Teil der Strahlen abhalten. Ausziehen wollten die Kuhns trotz der Strahlenattacke nicht, denn sie hatten sich ihr Eigenheim nach eigenen Plänen errichtet.

Miriam Enzler dagegen ist schon umgezogen. Auch sie hatte Streit mit ihren Nachbarn, auch sie hatte plötzlich "das Gefühl zwischen zwei Stromquellen zu leben", und auch sie musste die Erfahrung machen, dass mit den Opfern von Mikrowellen umgegangen wird, "als wären wir die größten Idioten". Miriam Enzler trägt auch nach dem Umzug noch schwer an dem Strahlenangriff: "Meine Schleimhäute brennen wie Feuer, ich habe Kopfschmerzen bis zum Erbrechen und kolikartige Bauchkrämpfe."

Eine Hoffnung, den bisher unbekannten Mikrowellen-Gangstern bundesweit das Handwerk zu legen, sieht Rechtsanwalt Detlev Eidebenz, der ein Opfer aus Frankfurt vertritt, nur darin, gemeinsam zu kämpfen. Eidebenz: "Es gab in Deutschland in der Sache schon 150 Strafverfahren, die zu keinem Ergebnis kamen." Jetzt müssten, sagt der Anwalt, die Staatsanwaltschaften aller Bundesländer auf die Vielzahl von Einzelfällen aufmerksam gemacht werden. Unterstützung von der Polizei gibt es auch schon: Markus Dümig vom 8. Polizeirevier in Frankfurt am Main sammelt bundesweit die Berichte von Mikrowellen-Opfern. Dümig: "So lange, bis die Sache strafrechtlich gewürdigt wird."

Der hilfsbereite Beamte ist der Strohhalm, an den sich die verzweifelten Mikrowellen-Opfer klammern. Denn obwohl es bislang nur wenige Untersuchungen gibt, die beweisen, dass Mikrowellen Langzeitschäden hervorrufen können, fürchten sie sich mehr als vor den augenblicklichen Schmerzen vor den Langzeitfolgen. Für Irmgard K. wurde der Albtraum wahr: Bei ihr stellten die Ärzte gerade einen Eierstocktumor fest.

Quelle: Welt.de


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