Elektrische Hirnreize: Fernsteuerung des Gehirns


Elektrischer Hirnreiz: Verhaltensweisen von außen anregen

Alle Versuche, menschliche oder tierische Verhaltensweisen durch einen elektrischen Hirnreiz von außen anzuregen, gehen auf Forschungsarbeiten zurück, die der Schweizer Physiologe Walter Hess schon während der dreißiger Jahre unternahm und für die er 1949 mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde.

1965 Spiegel.de - Hirnreizung: Wut auf Kommando

Möglichkeiten mit elektromagnetischen Wellen


Berichte über die Forschung der Gedankenkontrolle

Hirnreizung: Wut auf Kommando

Grell lastete Sonnenglut über der Stierkampf-Arena der südspanischen Provinzhauptstadt Cordoba. Der Torero, unbewaffnet und ungelenk, schien in Gefahr. Nie zuvor hatte er einem angreifenden Stier gegenübergestanden. Sein Name: Dr. José M. R. Delgado. Sein Beruf: Professor für Physiologie und Psychiatrie an der Yale-Universität in New Haven (US-Staat Connecticut).

Bis auf zwei Meter ließ der Professor das wütende Tier heranstürmen. Dann warf er das rote Reiz-Tuch, die Muleta, weg und drückte einen Knopf an dem Miniatur-Funkgerät, das er in der Hand hielt. Als renne er gegen eine unsichtbare Mauer an, stoppte der Stier mitten in Lauf, stemmte die Vorderhufe in den Boden, wandte den Kopf zur Seite - und trollte sich davon.

Der unblutige Matadoren-Sieg, von dem der amerikanische Physiologe Delgado jüngst berichtete, war (so die "New York Times") "die bislang aufsehenerregendste Demonstration für eine gezielte Beeinflussung des Tierverhaltens durch Fernsteuerung des Gehirns".

Die zirzensische Vorstellung in der südspanischen Arena war nur ein Beispiel. In Tausenden von Versuchsreihen haben Wissenschaftler in aller Welt während der letzten Jahre immer spitzfindigere und erfolgreichere Methoden ersonnen, Triebe und Stimmungen, Instinkte und Verhaltensweisen bei den verschiedensten Tieren - Katzen, Hunden, Affen, Ratten, Delphinen und Hühnern - künstlich hervorzurufen oder zu beeinflussen. Professor Delgado hält jetzt die Zeit für gekommen, derartige Versuche systematisch auch bei Menschen vorzunehmen.

Regungen wie etwa Lust oder Unlust, Wut oder Freundlichkeit, so erläuterte der Physiologe, die herkömmlicherweise der "Psyche" zugeschrieben werden, lassen sich durch gezielte elektrische Stimulation des Gehirns hervorrufen, ändern oder unterbinden". So könnten entsprechende Experimente mit Menschen nach Ansicht Delgados "von entscheidender Bedeutung sein, wenn es gilt, die Ängste, Frustrationen und Konflikte des modernen Menschen zu erforschen und zu lösen".

Alle Versuche, menschliche oder tierische Verhaltensweisen durch einen elektrischen Hirnreiz von außen anzuregen, gehen auf Forschungsarbeiten zurück, die der Schweizer Physiologe Walter Hess schon während der dreißiger Jahre unternahm und für die er 1949 mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde.

Hess hatte winzige Stahl-Elektroden in die tieferen Schichten des Gehirns von Hauskatzen eingepflanzt. Je nachdem, welcher Bereich des Gehirns durch die elektrischen Impulse gereizt wurde, beobachtete Hess verschiedene Stimmungs-Änderungen und Verhaltensweisen bei den Tieren. Eine friedlich sich putzende Katze etwa begann plötzlich wütend das Fell zu sträuben und zu fauchen, als nähere sich ihr ein Hund. Durch Stromstöße in andere Hirnregionen wurde der Drang zum Fressen, Trinken, Schlafen oder auch der Entschluß zur Flucht ausgelöst.

Ähnliche Versuche mit Haushühnern unternahm der vor einigen Jahren verstorbene deutsche Physiologe Erich von Holst, seinerzeit Leiter des Max-Planck-Instituts für Verhaltensphysiologie in Seewiesen (Oberbayern). Er funkte die in Hühnerhirne eingepflanzten Elektroden drahtlos an: Ein winziger Empfänger war am Kopf der frei umherlaufenden Tiere befestigt. Die Sende-Impulse reizten die Hühner spontan dazu, sich etwa die Federn zu putzen oder den Schnabel zu wetzen. Aber der Verhaltensprofessor konnte damit auch jederzeit auf Kommando, ohne realen Anlaß, das typische Imponiergehabe der Hähne ("Kratzfuß") auslösen oder auch wütende Rangordnungskämpfe provozieren.

Absonderliche Reaktionen konnten amerikanische Wissenschaftler an der Universität Pittsburgh bei Ratten hervorrufen, deren Gehirne nicht elektrisch, sondern mit Hormonen und anderen chemischen Stimulanzien gereizt wurden. Durch haarfeine Kanülen, die in die Schädeldecke eingepflanzt waren, wurden die Chemikalien wahlweise in verschiedene Hirnzentren geträufelt.

So konnten die Forscher beispielsweise männliche Ratten dazu veranlassen, mit (sonst typisch weiblichem) Hege-Instinkt für nicht vorhandene Rattenjunge Nester zusammenzutragen. Weibliche Ratten entwickelten, wenn das Hormon in das betreffende Hirnzentrum (hinter dem Sehnerv) geleitet wurde, ein typisch männliches Sexualverhalten. Und wenn die Wissenschaftler mehrere Hirnzentren gleichzeitig reizten, überlagerten sich auch im Verhalten der Tiere mehrere Antriebe: "In einigen Fällen", so berichtete der Leiter des Pittsburgh-Teams, Alan E. Fisher, "trugen männliche Ratten Junge in ihrem Maul (Hege-Instinkt) und versuchten gleichzeitig zu kopulieren, gleichgültig, ob sie auf männliche oder weibliche Partner trafen."

Daß Steuerzentren für gegensätzliche Antriebe im Gehirn zum Verwechseln nahe beieinanderliegen können, beobachtete auch der amerikanische Stierkampf-Professor Delgado. Katzen, so berichtete der Wissenschaftler, bei denen durch Funkbefehl das Haßzentrum in der Amygdala, einem linsengroßen Teil des Zwischenhirns, gereizt wurde, fielen mit allen Anzeichen der Wut - ausgestreckten Krallen, gesträubten Haaren und geweiteten Pupillen - übereinander her. Doch ihr Verhalten wandelte sich geradezu ins Gegenteil, sobald die Empfänger-Elektrode in der Amygdala um Millimeterbruchteile verschoben wurde - dort liegt, so mutmaßt Delgado, das Liebeszentrum: Die neuerlich stimulierten Tiere "beschnüffelten und beleckten einander... die Freundschaft hielt mehrere Tage vor, bis die Stimulation erlahmte".

Einen Schritt weiter als bei der Um-Steuerung tierischer Gemütserregungen ging Professor Delgado, dessen Forschungen großenteils von der USMarine finanziert werden, mit einer Versuchsreihe, die er im Affengehege der Yale-Universität vornahm. Der Forscher pflanzte dem aggressivsten Männchen der Affenhorde eine Elektrode in jenen Hirnbezirk ein, der die Empfindung "Friedfertigkeit" auslöst. Die Sendetaste, mit deren Hilfe sich die Kommando-Elektrode im Hirn des Herden-Tyrannen aktivieren ließ, wurde im Käfig aufgestellt. Zur Verblüffung des Forschers lernten die unterdrückten Mitglieder der Horde sehr bald, das neue Instrument der Macht zu nutzen: Wann immer der Wüterich handgreiflich wurde, lief ein Affe zu der Sendetaste und beschwichtigte den Raufbold drahtlos.

Das bislang verblüffendste Experiment mit elektrischen Hirnreizen gelang den Verhaltensforschern der kanadischen McGill-Universität. Sie entdeckten - zuerst bei weißen Ratten, später auch bei Katzen, Affen und Delphinen - ein Wollustzentrum im Gehirn. Sobald dieser Hirnbereich gereizt wurde, gerieten die Tiere offenkundig in ein ekstatisches Hochgefühl.

Als die Forscher den Versuchs-Ratten erlaubten, sich selbst durch Betätigen der Sendetaste den lustweckenden Strom-Impuls ins Gehirn zu schicken, wurden die Tiere süchtig: Sie nahmen sich kaum mehr Zeit zum Fressen und drückten fast unablässig die Wollust-Taste, bis zu 8000 mal in jeder Stunde Einige der Versuchsratten trieben das elektrische Selbstbelustigungsspiel 30 Tage lang fast ununterbrochen, mit nur minutenlangen Schlafpausen. Gleichwohl waren sie nach Abschluß des Experiments physisch gesund.

An menschlichen Gehirnen sind derartige Versuche elektronischer Beeinflussung bislang nur in wenigen Fällen vorgenommen worden. Professor Delgado etwa ließ bei Epilepsie-Patienten Kommando-Stromstöße auf das Gehirn einwirken. Folge: Einige der Kranken reagierten mit verstärkten Angstgefühlen, andere äußerten übertriebene Freundlichkeit gegenüber ihrer Umwelt. Einer der Patienten brach im Gefolge der elektrischen Stimulation in einen unnatürlichen Wortschwall aus; er sprach plötzlich sechsmal so schnell wie gewöhnlich. Ein anderer Patient, ein 11 jähriger Junge, bekam plötzlich Zweifel: "Ich weiß nicht, ob ich Junge oder Mädchen bin." Er äußerte den Wunsch, den untersuchenden Arzt zu heiraten.

Längst meldeten sich Warner, die mit Schrecken die möglichen Folgen dieses Zweiges der Verhaltensforschung voraussehen. "Es entwickelt sich hier ein Wissenschaftsgebiet", mahnte etwa Dr. Carl R. Rogers, Psychologieprofessor an der Universität von Wisconsin, "das die menschliche Gesellschaft weit stärker wird verändern können als die Entdeckung der Atomenergie."

Auf einer amerikanischen Wissenschafts-Tagung im "Illinois Institute of Technology" indes malte ein Elektronik-Ingenieur namens Curtiss R. Schafer bereits eine makabre Vision, die er für "ökonomisch durchaus erwägenswert" hielt. Kindern, so prophezeite der Wissenschaftler, könnten gleich nach der Geburt Hunderte von Kommando-Elektroden ins Gehirn gepflanzt werden. Solche stromgelenkten Kinder - biologische Roboter - seien "weit billiger herzustellen und zu unterhalten" als Roboter aus Stahl und Transistoren.

Schafer: "Einen simplen mechanischen Maschinenmann zu bauen, kostet nach heutigen Maßstäben etwa zehnmal soviel wie die Geburt und Aufzucht eines Kindes bis zu seinem sechzehnten Lebensjahr."

Verhaltensforscher Delgado, gereizter Stier: Durch Stromstoß ins Gehirn...

. . . drahtlos besänftigt Verhaltensforscher Delgado, gestoppter Stier

Quelle: Spiegel.de

Mit Ultraschall ins Gehirn

Verschiedene Studien zeigen, dass sich die Hirnaktivität mit Ultraschall beeinflussen lässt. Bei dieser Art der Neuromodulation ist keine Operation nötig. Wissenschafter versprechen sich deshalb viel von der neuen Technik.

Als der Doktorand William «Jamie» Tyler Anfang der 2000er Jahre Nervenzellen unter dem Mikroskop beobachtete, drehte er den Bass seiner Musikanlage lauter. Zu seiner Überraschung reagierten die Zellen und feuerten. Tyler war auf eine Eigenschaft gestossen, die bereits in den 1950er Jahren beschrieben worden, aber nahezu in Vergessenheit geraten war: Nervenzellen reagieren auf Schall. Die Erkenntnis liess Tyler, heute Professor an der amerikanischen Universität Virginia Tech in Roanoke, nicht mehr los.

Hoch invasives Verfahren

In der Zwischenzeit revolutionierte eine neue Methode die Hirnforschung, die Optogenetik. Seit neun Jahren können Forscher Nervenzellen im Tier gezielt aktivieren und deaktivieren. Dazu verändern sie das Erbgut einzelner Nervenzellen so, dass sich die Zellen anschliessend per Licht erregen und hemmen lassen. Das ist eine wichtige Technik, um herauszufinden, wie das Gehirn funktioniert. Das hoch invasive Verfahren eignet sich jedoch (vorerst) nicht für den Menschen.

Sie stünden an dieser Stelle vor einer Wand, erklärt Tyler. Nichtinvasive Methoden für den Einsatz beim Menschen, wie beispielsweise die Stimulation des Gehirns durch Magnetfelder, sind zu ungenau. Sie aktivieren mehrere Zentimeter grosse Hirnareale. Man ziele auf das Hirngebiet, das für Bewegung zuständig ist, treffe aber gleichzeitig Bereiche, die Berührung verarbeiten. So sei keine Stimulation möglich, berichtet Tyler. Ohne eine gezielte Stimulation lässt sich jedoch die Aktivität des menschlichen Gehirns und seiner Störungen wie etwa Parkinson, Epilepsie und Depression nicht erforschen. So fahnden Wissenschafter intensiv nach einer Technik, mit der sie das Gehirn ohne operativen Eingriff und trotzdem präzise modulieren und somit kartieren können.

Vor acht Jahren nahm Tyler seine alte Spur wieder auf. Er schrieb seine Idee nieder und präsentierte sie der Patentabteilung seiner Universität: Wie kann ich Gehirnaktivität durch Ultraschall modulieren? «Die erklärten mich für verrückt», erinnert er sich. Tyler suchte nach den optimalen Frequenzen und testete schliesslich Ultraschall an Mäusen. Er zielte mit dem Gerät auf ein Gehirngebiet, das für die Bewegung der Pfote zuständig ist. Einer seiner Mitarbeiter stiess aus Versehen an den Regler, anstatt in Pulsen sendete das Gerät nun kontinuierlich. Die Maus hob die Pfote. «Das war der glücklichste Tag meiner Karriere», sagt Tyler. Die daraus folgende Veröffentlichung im Jahre 2010 inspirierte Forscher weltweit, die Methode auszuprobieren.

Auf wenige Millimeter genau

Die von Tyler verwendeten niedrigen Frequenzen produzierten ein so umfangreiches Druckfeld im Gehirn, dass es ihnen als Physikern zunächst schwergefallen sei, den Ergebnissen zu glauben, berichtet Jean-François Aubry vom Institut Langevin in Paris. Aubry und Kollegen wiederholten Tylers Versuch – mit Erfolg. Sie lösten je nach Position des Ultraschallkopfes Bewegungen der Tasthaare, des Schwanzes und der Augen in der Ratte aus. Bis auf wenige Millimeter lässt sich der Ultraschall im Gehirn fokussieren. Teams der Universitäten Stanford und Harvard meldeten ebenfalls Vollzug. Sie erregten im Tiermodell das Gedächtniszentrum, unterdrückten Augenreaktionen und dämpften epileptische Anfälle.

Die Ultraschall-Prozedur entspricht etwa dem, was Patienten und Schwangere aus der medizinischen Diagnostik kennen. Ein auf der Haut anliegender Ultraschallkopf sendet unbemerkt vom Empfänger kurze Impulse ins Körperinnere. Ultraschall liegt mit Frequenzen über 20 kHz oberhalb unseres Hörbereichs. Das seit über 40 Jahren eingesetzte Verfahren gilt bis heute als unbedenklich.

Unklar ist, wie der Schall auf das Gehirn wirkt. Möglicherweise verändert er die Membranstruktur von Nervenzellen. Bestandteile der Zellmembran, Phospholipide, «schwabbeln und drehen sich im Nanosekundentakt», schreibt Tyler in einer Übersicht. Eine Deformation der Membran durch Druckwellen verändert deren Anordnung. Die Membran reagiert darauf wie eine Strumpfhose mit feinen Löchern auf Dehnung. Die in die Membran eingebetteten Kanäle weiten sich, geladene Teilchen strömen hindurch und erregen die Nervenzelle. Inzwischen liegen Belege für die Wirkung der Ultraschall-Neuromodulation bei Ochsenfrosch, Salamander, Ratte, Kaninchen, Katze, Minischwein und Affe vor.

Die Forscher scharren mit den Füssen. Die Anwendung bei Menschen steht an. Zumal Alexander Bystritsky, Psychiater an der University of California, und andere inzwischen zeigten, dass sich die Methode mit bildgebenden Verfahren, etwa der funktionellen Magnetresonanztomografie, kombinieren lässt. So könnte man herausfinden, welche Stimulation zu welchen Aktivitätsmustern im Gehirn führt, also eine Karte der Gehirnfunktionen erstellen.

Stuart Hameroff, Anästhesist und nicht unumstrittener Bewusstseinsforscher von der University of Arizona, wagte als Erster den Sprung zum Menschen. Zunächst testete er das klassische Ultraschallgerät, wie es in seiner Klinik für diagnostische Zwecke eingesetzt wird, am eigenen Kopf. Nichts geschah. Hameroff war enttäuscht. Doch nach einer Minute habe er etwas gespürt, berichtet der Forscher, so wie nach einem Martini. Er fühlte sich deutlich energiegeladener und kreativer.

Im Fachmagazin «Brain Stimulation» veröffentlichte Hameroff 2013 eine erste Pilotstudie. Er sendete 15 Sekunden lang Ultraschall an eine Stelle des Vorderhirns von 31 Schmerzpatienten. Im Vergleich zu einer Placebo-Behandlung besserte sich die Stimmung der Beschallten, und der Schmerz liess, wenn auch nicht statistisch bedeutsam, etwas nach. In einer noch unveröffentlichten Folgestudie mit über 100 Teilnehmern soll es laut Hameroff zu einer signifikanten Stimmungsaufhellung durch Ultraschall gekommen sein.

Termine ausgebucht

Die Neuromodulation per Ultraschall öffnet Möglichkeiten. Aubry wird untersuchen, ob Ultraschall den Ort im Gehirn vorübergehend deaktivieren kann, der bei Parkinson-Patienten das Zittern auslöst. Bystritsky startet im Februar eine Studie mit der Frage, inwieweit Ultraschall Menschen mit Depressionen aus ihrem Tief helfen könnte. Tyler arbeitet daran, mittels Neuromodulation und Bildgebung das Gehirn von Tier und Mensch zu kartieren. Gleichzeitig entwickelt er mit einer von ihm gegründeten Firma ein Gerät, das die Ultraschall-Neuromodulation beim Menschen erleichtern soll.

Dass Ultraschall die Stimmung heben könnte, hat sich herumgesprochen. In der Firmenniederlassung in Boston sind die Termine für freiwillige Versuchspersonen über Wochen ausgebucht. Die nächsten Jahre werden zeigen, ob die Methode hält, was sie verspricht: menschliche Gehirnfunktionen besser zu verstehen und neurologische Leiden zu lindern.

Quelle: NZZ.ch

Unheimliches Computer-Experiment: Mein Gehirn bewegt deinen Finger

Zum ersten Mal ist es Forschern gelungen, die Handbewegung eines anderen Menschen mit Gedankenkraft fernzusteuern. Zum Einsatz kamen Neurotechnologie, das Internet und etwas Programmierkunst. Ein Video zeigt den unheimlichen Selbstversuch.

Der direkte Austausch von Gedanken zwischen zwei räumlich getrennten Personen galt bislang als paranormaler Wunschtraum. Nun haben zwei Forscher an der Universität Washington in Seattle die Idee im Selbstversuch in die Tat umgesetzt. Auf telepathische Gedankenübertragung verließen sie sich dabei aber nicht - sondern bedienten sich dreier Technologien, die seit Jahren in der Praxis verwendet werden.

Für das Experiment setzte der Informatiker Rajesh Rao sich eine Elektrodenkappe auf, die per Elektroenzephalografie (EEG) die elektrische Aktivität seines Gehirns aufzeichnete. EEG wird zum Beispiel in der Medizin routinemäßig zur Untersuchung von Gehirnströmen eingesetzt, kann inzwischen aber auch dazu genutzt werden, Computerspiele nur mit Gedanken zu bedienen. Während eines solchen Spiels stellte Rao sich vor, seine rechte Hand zu bewegen, um mit diesen Gedanken einen Cursor am Bildschirm auf ein Feld zu bewegen, das Kanonenfeuer auslöst.

Raos Kollege Andrea Stocco saß derweil bekleidet mit einer lila Badekappe in einem anderen Gebäude auf dem Campus. Die Badekappe fixierte eine Magnetspule genau über dem linken Motorcortex von Stoccos Gehirn - dem Zentrum, das die Bewegungen der rechten Hand kontrolliert. Starke Magnetfelder können in der Nähe liegende Gehirnbereiche stimulieren. Auch diese, als transkranielle Magnetstimulation bezeichnete Technologie wird bereits vielfach in Forschung und Medizin eingesetzt.

"Es war sowohl aufregend als auch unheimlich"

Zwischen den an Rao und Stocco angeschlossenen Maschinen kam eine dritte weit verbreitete Technologie zum Einsatz: eine Internetverbindung. Durch sie wurde die vom EEG aufgezeichnete Information über Raos Gedankenströme mithilfe einer speziell für dieses Experiment geschriebenen Bedienungs-Software an Stoccos Magnetspule übertragen, die einen Impuls an sein Gehirn sandte.

Und tatsächlich: Fast im gleichen Moment, in dem Rao in Gedanken den Kanonenknopf bediente, zuckte Stoccos rechter Zeigefinger nach vorne auf die Space-Taste der vor ihm liegenden Computertastatur, wie zum Auslösen des Kanonenfeuers. Für Stocco fühlte sich die unfreiwillige Handbewegung an wie ein nervöses Zucken, berichtet der Psychologe.

"Es war sowohl aufregend als auch unheimlich, eine bloße Vorstellung aus meinem Gehirn in eine tatsächliche Handlung eines anderen Gehirns verwandelt zu sehen", sagt Rao. Er betont, dass es sich bei diesem Experiment nur um eine Einwegkommunikation gehandelt habe, da Stocco keine Möglichkeit hatte, Informationen an Rao zurückzugeben. Im nächsten Schritt wollen die Forscher versuchen, einen tatsächlichen Austausch von Gedanken zwischen zwei Gehirnen zu ermöglichen.

Technologie könnte Piloten oder Schwerbehinderten helfen

Benjamin Blankertz, der Leiter des Berlin Brain-Computer Interface Projektes, hält den Erfolg des Experiments für vorhersehbar: "Die Kombination der Elemente im vorliegenden Experiment wird niemand in diesem Forschungsgebiet überraschen", sagt er. Andrea Kübler von der Universität Würzburg, die viel über den Praxiseinsatz von Gehirn-Computer-Schnittstellen forscht, stimmt ihm zu: "Die Idee bei solchen Schnittstellen ist immer die gleiche. Man steuert mit einem Gehirn einen Schalter an, und daran kann man im Prinzip alles anschließen, eben auch ein anderes Gehirn über TMS."

Stocco sagt, dass die direkte Verknüpfung zweier Gehirne in der Zukunft für Anwendungen genutzt werden könnte, bei denen es auf wortlose Kommunikation ankommt. Bodenpersonal könnte damit etwa einem außer Gefecht gesetzten Piloten helfen, Schwerbehinderte könnten mit der Technologie ihre Wünsche auch Personen mitteilen, die nicht die gleiche Sprache sprechen wie sie.

Andere zweifeln hingegen an dem Potential von Gehirn-Gehirn-Schnittstellen. Sinnvolle Anwendungsszenarien für die Praxis kann sich etwa der Neurowissenschaftler Niels Birbaumer von der Universität Tübingen "bisher keine" vorstellen. Blankertz warnt, dass solche Experimente "jenseits der Forschung überzogene und unrealistische Visionen von Anwendungsszenarien hervorrufen". Damit werde allerdings "der sinnvolle Zweck erfüllt, eine ethische Diskussion in Gang zu setzen über die Frage, in welche Richtung Technologie entwickelt werden sollte."

Hier bemühen sich die Forscher um Rao und Stocco vorerst um Entwarnung. "Es gäbe keinerlei Möglichkeit, diese Technologie an einer Person ohne deren Wissen oder ohne ihre bereitwillige Teilnahme einzusetzen", versichert die an dem Experiment beteiligte Psychologin Chantel Prat.

Quelle: Spiegel.de

Manipulation durch Hirnforschung: Gedankenkontrolle birgt Gefahr

Britische Forscher warnen vor möglichen Gefahren durch die Hirnforschung. Einerseits ließen sich damit vielleicht einmal Gedanken manipulieren, andererseits könnten dadurch neue Waffengattungen entstehen.

Für Laien klingt es nach Science Fiction, aber nach Ansicht von Forschern wächst die Gefahr der Gedankenkontrolle. Vor allem mit Blick auf Militärtechnik hat eine Gruppe von Forschern nun zu mehr Umsicht im Umgang mit den Erkenntnissen gewarnt. Sowohl Regierungen und die internationale Gemeinschaft als auch die Wissenschaft selbst müssten sicherstellen, dass aus den an sich guten Ergebnissen keine Nachteile und Gefahren entstehen, hieß es von der Royal Society in London.

"Neurowissenschaft hat das Potenzial, der Gesellschaft großen Nutzen zu bringen", sagte Professor Rod Flower, der die Arbeitsgruppe der Royal Society zu dem Thema leitet. So komme die Wissenschaft Heilungsmethoden für Krankheiten wie Parkinson, Epilepsie oder Sucht täglich näher. Die Tatsache, dass man das menschliche Hirn immer besser verstehe, berge aber auch zahlreiche Risiken.

Der Bericht ist Teil einer Serie und konzentriert sich vor allem auf eine mögliche militärische Nutzung. "In nicht zu ferner Zukunft" etwa könnte es möglich sein, dass Drohnen oder andere Waffensysteme, die ohne Pilot funktionieren, durch menschliche Gedanken gelenkt werden, heißt es.

Verwendung bei Militäreinsätzen

Durch Beeinflussung des Gehirns habe man es bereits geschafft, dass beispielsweise gelähmte Patienten mit Hilfe ihrer Gedanken Prothesen von Armen oder Beinen bewegen oder Computer nutzen könnten. Ähnliche Technik könnte auch bei Militäreinsätzen verwendet werden.

Chemische Waffen könnten darauf ausgerichtet werden, dass sie Menschen nicht töten, sondern das Hirn kurzzeitig lahmlegen - die Spätfolgen davon allerdings seien unklar. Es gebe bereits Experimente, solche Chemikalien bei Massenunruhen oder bei der Jagd nach Kriminellen einzusetzen.

Solche Entwicklungen zögen Unmengen an ethischen Fragen nach sich, erklärte Flower. In vielen Fällen seien diese noch nicht durch internationales Recht geregelt. Regierungen müssten die Forschung transparent halten. Wissenschaftler sollten sich stets im Klaren sein, dass ihre Forschung sowohl zur Heilung als auch zum Schaden eingesetzt werden könnte.

Quelle: N-TV.de

Dieselbe Technologie sollen die Amerikaner auch im Irak-Krieg angewendet haben. So berichtete das Magazin 2000 im Dezember 1993: „Erinnern Sie sich an die Bilder vom Golfkrieg, als Tausende irakischer Soldaten kapitulierend aus den Schützengräben stiegen, sich sogar Journalisten ergaben, die sie für Soldaten hielten (trotz weißer Fahnen) und zum willkommenen Kanonenfutter für die amerikanische Artillerie wurden? Jetzt sind immer mehr Militärexperten überzeugt, dass nicht etwa die schlechte Versorgung von Saddams Truppen diese plötzliche und lemminghafte Kapitulation bewirkte, sondern Psychotronic Mind Control-Waffen der USA. Einige dieser High-Tech-Superwaffen bedienen sich der Wirkungen von Radiofrequenzwellen auf das menschliche Gehirn. Wie die diesjährige Januar-Ausgabe der Fachzeitschrift Aviation Week and Space Technology berichtet, rüstet jetzt das US-Verteidigungsministerium Raketen mit Gerätschaften aus, die in der Lage sind, elektromagnetische Pulse (EMPs) zu erzeugen, um den Feind lahm zu legen, ohne sich dabei atomarer, biologischer oder chemischer Komponenten bedienen zu müssen.

Dieser Waffentyp hat in erster Linie das Ziel, die elektronischen Systeme des Feindes auszuschalten. Andere Geräte erzeugen Ultraschall, ELF (Extreme Niedrigfrequenz-) Schallwellen, die Übelkeit und Erbrechen bewirken und das Orientierungsvermögen der betroffenen Personen extrem stören. Diese Waffen haben einen Wirkungsbereich von mindestens 2’500 Kilometern.“

Die Möglichkeiten der Geheimdienstabteilungen gehen heutzutage unendlich viel weiter. Man kann mit gutem Grund sagen, dass fast alles, was uns heute in Science-Fiction-Filmen vorgesetzt wird, längst Realität geworden ist. Bloß sollen wir davon nichts wissen. Es scheint, dass die viel gefürchtete Spaltung der Gesellschaft in eine Masse von Unwissenden, die man beliebig manipulieren kann, und eine kleine Elite von Wissenden, die sämtliche Hebel bedienen, viel weiter vorangeschritten ist, als uns dies bewusst ist. – Aber wollen wir uns dieser Tatsache überhaupt bewusst werden?


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