Stimmenhören, "Schizophrenie" und Psychiatrie


Zwangseinweisungen in die Psychiatrie aus grundrechtlicher Sicht

Die Schweiz hat im Vergleich zu anderen europäischen Ländern einen der höchsten Anteile an psychiatrischen Zwangseinweisungen: Fast ein Viertel aller Psychiatrie-Patientinnen und Patienten in der Schweiz werden laut einer Untersuchung aus dem Jahre 2009 unfreiwillig hospitalisiert. Welches sind die rechtlichen Voraussetzungen für eine Zwangseinweisung und allfällige Zwangsbehandlung? Und welche Problematiken stellen sich in Bezug auf die Einschränkung der Grundrechte der Betroffenen?

Quelle: Humanrights.ch

Gegen den Willen in die Psychiatrie

Kaum ein anderes Land steckt psychisch labile Menschen so schnell in eine Klinik wie die Schweiz. Jeder vierte Psychiatrie-Patient wird gegen seinen Willen eingewiesen. Ziel ist es, die Menschen zu stabilisieren. Doch oft geschieht das Gegenteil: Die Patienten sind bei der Entlassung aus der Klinik verstörter als zuvor.

Die Erfindung der Krankheit "Schizophrenie"

Wer ein auffälliges Verhalten innerhalb der Gesellschaft zeigt, das mir nicht passt, hat eine "Krankheit" im Geist. So ähnlich definierten die Ärzte der neuen "psychologischen" Studienrichtungen in Zürich Ende des 19.Jh. die "geistig Abnormen". Eugen Bleuler, 1898-1926 Direktor am Burghölzli, Universitätsprofessor der Eugenik in Zürich, definierte dafür im Jahr 1911 das Wort "Schizophrenie" (Huonker, S.101).


Systematische Medikamententests

Patientenverfügungen

Anwalt von psychiatrisch Verfolgten


Sichten und Vernichten (1933)

Juli 1933 wurde die Zwangssterilisation von bis zu 400 000 Menschen im Dritten Reich eingeleitet, wobei über 6.000 Menschen starben. Mit der Kinder-Euthanasie ab 1939 wurden mindestens 5.000 erbkranke und kognitiv oder körperlich beeinträchtigte Säuglinge und Kinder getötet. 70 000 Kranke und Behinderte wurden bei der "Aktion T4" 1940/41 ermordet und viele zu unmenschlichen Versuchen missbraucht.

Zwangseinweisungen

  • Ohne psychische Krise keine Zwangseinweisung – so viel sollte sicher sein

  • Die Zahl der fürsorgerischen Unterbringungen in psychiatrischen Kliniken ist um 30 Prozent gestiegen – in nur einem Jahr.

In den Fängen der Psychiatrie (2016)

Veröffentlichte Zeitungsartikel


Neues Gesetz: Behandlung wie ein Straftäter

Depressive Menschen sollen in Bayern künftig registriert werden - und behandelt, als wären sie Straftäter. Das ist kein Hilfe-, sondern ein Polizeigesetz. Depressive Menschen sollen künftig nach Regeln, die bisher nur für Straftäter galten, in Krankenhäusern festgesetzt werden können - ohne dass eine Straftat vorliegt. Schon der Name des Gesetzes ist eine Täuschung: Es enthält vier Paragrafen über "Hilfe" für Kranke - und 35 über ihre "Unterbringung" zu Zwecken der Gefahrenabwehr.

2018 Süddeutsche.de - Umstrittener Gesetzentwurf: Bayern will psychisch Kranke wie Straftäter behandeln

Fürsorgerische Unterbringung: In die Klinik – und dann?

Wann darf jemand gegen seinen Willen in eine psychiatrische Klinik eingewiesen werden? Das Gesetz über fürsorgerische Unterbringung regelt diese und andere Fragen.

Die Erwachsenenschutzbehörde kann die Einweisung in eine Klinik veranlassen. Spätestens nach sechs Monaten muss sie abklären, ob die Unterbringung noch gerechtfertigt ist

Wenn psychisch kranke, schwer geistig behinderte oder stark verwahrloste Menschen Hilfe benötigen, dürfen sie in eine psychiatrische Klinik gebracht werden – auch gegen ihren Willen, aber zu ihrem eigenen Schutz.

Das Gesetz mit der Bezeichnung «fürsorgerische Unterbringung», das am 1. Januar 2013 in Kraft trat, regelt den Schutz der betroffenen Person besser als sein Vorgänger, die «fürsorgerische Freiheitsentziehung» (FFE).

Wer darf gegen seinen Willen eingewiesen werden?

Eine Person, die an einer psychischen Störung oder an geistiger Behinderung leidet oder schwer verwahrlost ist, darf in einer geeigneten Einrichtung untergebracht werden, wenn die nötige Behandlung oder Betreuung nicht anders erfolgen kann», heisst es im Artikel 426 des Zivilgesetzbuchs. Die Bestimmung kommt immer dann zur Anwendung, wenn die betroffene Person Widerstand leistet oder aufgrund einer Urteilsunfähigkeit keine Zustimmung geben kann.

Bei einer Einweisung wider Willen sind die Belastung und der Schutz der Ange­hörigen zu berücksichtigen – obwohl der Schutz der betroffenen Person und nicht der Umgebung dienen muss.

Doch wenn Ange­hörige oder Dritte überfordert sind, bringt diese Überforderung der betroffenen Person nichts. Im schlimmsten Fall würde sie die Probleme noch verschärfen.

Wer darf eine Einweisung veranlassen?

Wenn die geschilderten gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt sind, kann die Erwachsenenschutzbehörde eine Einweisung in eine Klinik veranlassen. Spätestens nach sechs Monaten muss sie abklären, ob die Unterbringung noch gerechtfertigt ist – sofern die Person inzwischen nicht ohnehin entlassen wurde.

Der Vorentwurf zum Gesetz und der Entwurf des Bundesrats sahen vor, dass neben der Erwachsenenschutzbehörde «geeignete» Ärzte eine Unterbringung anordnen können. Das Wort «geeignet» wurde vom Ständerat gestrichen. Nun können die Kantone nach Gutdünken Ärzte und Ärztinnen bestimmen, die eine Einweisung für maximal sechs Wochen anordnen können. Zuvor sind sie jedoch verpflichtet, die betroffene Person persönlich zu untersuchen. Sie dürfen sich also nicht bloss auf Angaben von Verwandten, der Polizei oder anderen Personen stützen. Wenn die Erwachsenenschutzbehörde die Aufenthaltsdauer von sechs Wochen nicht verlängert, muss die Entlassung aus der Klinik erfolgen.

Quelle: Beobachter.ch


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