Gedankenkontrolle: Projekt MKULTRA


Informationen über das Geheimdienstprojekt MKULTRA

MKULTRA (auch MK ULTRA, Aussprache M-K-Ultra) war ein umfangreiches geheimes Forschungsprogramm der CIA über Möglichkeiten der Bewusstseinskontrolle. Es lief von 1953 bis in die 1970er Jahre im Kontext des Kalten Kriegs. Ziel des Projekts war, ein perfektes Wahrheitsserum für die Verwendung im Verhör von Sowjetspionen zu entwickeln sowie die Möglichkeiten der Gedankenkontrolle zu erforschen. In Teilen überschnitten sich die Arbeiten auch mit den Forschungen anderer US-Programme zu biologischen Waffen.

Das Programm umfasste unter anderem tausende von Menschenversuchen, bei denen ahnungslose Testpersonen, oft willkürlich unter Krankenhauspatienten und Gefängnisinsassen ausgewählt, ohne ihr Wissen unter hochpotente halluzinogene Drogen wie LSD und Mescalin gesetzt wurden. Zahlreiche Versuchspersonen trugen bei den Experimenten schwerste körperliche und psychische Schäden davon, teilweise bis hin zum Tod.

MKULTRA: Einleitung

Der Fehlende Part, 2017: Das geheime Gedankenexperiment der CIA


Ein Beispiel: LSD-Experimente der US-Armee

Mit Hilfe von Drogen die Aggressivität zu steigern und die Hemmschwelle zu senken, ist bisweilen politisch-militärisches Kalkül. So ließen manche Feldherren vor der Schlacht Schnaps ausschenken. Der wissenschaftsgläubige Amerikaner startete vorher erst einmal Testreihen, um etwa die Wirkung der Psychodroge LSD zu überprüfen. Versuchskaninchen waren die eigenen Soldaten.

Spiegel TV, 2014

Veröffentlichte Berichte über das Menschenversuchs-Projekt MKULTRA

50 Jahre Brain Warfare

Artischocke, MK-Ultra und unsere tägliche Medien-Gehirnwäsche

Am 10.April 1953 hielt der frischgebackene CIA-Direktor Allen W. Dulles seine berühmte Brain-Warfare-Rede. Diese Rede gilt heute als der Startschuss für das ambitionierteste bekannte Forschungsprogramm zur Beherrschung des menschlichen Gehirnes in der Geschichte, durchgeführt unter der Ägide des CIA. Dulles beschwor die Schlacht um die Köpfe der Menschen, die mit den Sowjets zu schlagen sei, und für die es dringend die Mittel zur psychologischen Kriegsführung zu entwickeln gelte. Seine Worte waren keine leere Drohung.

Das streng geheime CIA-Programm "Artichoke", später "MK ULTRA", fasste Ansätze von Geheimdiensten der US Army, US Navy und anderen zusammen, die man rückblickend als Manipulations-, Verhör- und Foltertechniken bezeichnen muss (Hypnose, Drogen, Elektroschocks). Schon vor ihrer praktischen Anwendung forderten diese Methoden zahlreiche Opfer, da zu ihrer Entwicklung illegale Menschenversuche stattfanden. Mit diesen Versuchen verstießen die USA gegen den Nürnberger Ärztekodex, wie jüngst Egmont R. Koch und Michael Wech in ihrem Buch "Deckname Artischocke: Die geheimen Menschenversuche der CIA" (Bertelsmann Verlag, München 2002) nachwiesen bzw. in ihrer gleichnamigen preisgekrönten Fernsehdokumentation.

In 1964, Richard Helms, the CIA's Deputy Director for Plans, responded to a question from J. Lee Rankin, the General Counsel for the President's Commission on the Assassination of President Kennedy, about Soviet brainwashing techniques. Mr. Helms suggested that the Soviets were locked in a "battle for the minds of men."

Helms was echoing Allen Dulles, who, as the newly installed Director of the CIA, had addressed a national meeting of Princeton alumni on April 10, 1953, at Hot Springs, Virginia, as follows. In the past few years we have become accustomed to hearing much about the battle for men's minds-the war of ideologies -and indeed our Government has been driven by the international tension we call the 'cold war' to take positive steps to recognize psychological warfare and to play an active role in it. I wonder, however, whether we clearly perceive the magnitude of the problem, whether we realize how sinister the battle for men's minds has become in Soviet hands. We might call it, in its new form, "brain warfare". The Helms memorandum was classified in 1974 and is Warren Commission document no. 1131. The Dulles speech was excerpted in U.S. News and World Report (May 8, 1953), p. 54, under the title "Brain Warfare-Russia's Secret Weapon."

U.S. Human Rights Abuse Report, Cheryl Welsh, January 1998

Die in A.W.Dulles Rede erstmals öffentlich legitimierten geheimen Experimente verfolgten das Ziel, der Bedrohung durch "kommunistische Gehirnwäsche" entgegen zu wirken - und der amerikanischen Außenpolitik "dirty tricks" bereit zu stellen. Der Auslandsgeheimdienst CIA pflegte enge Beziehungen zum US-Außenministerium, insbesondere 1953 unter Außenminister John Foster Dulles, dem Bruder des neu ernannten CIA-Direktors Allen W. Dulles. In den USA herrschte Paranoia vor sowjetischer Infiltration. Anti-kommunistische Hexenjagden sollte vor der unheimlichen Seuche marxistischen Gedankengutes schützen. Einer teuflischen Ideologie, die aufrechte Amerikaner in willenlose Marionetten gefühlloser Gleichmacherei verwandeln konnte - wie im Film "Die Invasion der Körperfresser".

Ein Mensch konnte nicht durch eigenes Denken, durch eigene Entscheidung zum Kommunisten werden. Dass Kommunismus z.B. vor dem Absinken eines Staates zur Plutokratie schützen konnte, leuchtete den Dulles-Brüdern nicht ein. Der Gedanke an eine Plutokratie, also der Herrschaft reicher Familienclans, die ihren Sprösslingen Amt und Macht kaufen, lag den DullesBrüdern natürlich fern - ihr Großvater hatte ebenfalls schon das Amt des US-Außenministers bekleidet.

Die Bedrohung durch "kommunistische Gehirnwäsche" hatte sich auch im Koreakrieg gezeigt, als die Koreaner ab 1951, später auch die Chinesen den US-Streitkräften den Einsatz geächteter biologischer Kriegsführung vorwarfen (u.a. Pestbakterien und Anthrax). US-Piloten, die mit ihren Bombern abgeschossen wurden, gaben dies in koreanischer Gefangenschaft öffentlich zu.

The CIA program, known principally by the codename MKULTRA, began in 1950 and was motivated largely in response to alleged Soviet, Chinese, and North Korean uses of mind-control techniques on U.S. prisoners of war in Korea. Because most of the MKULTRA records were deliberately destroyed in 1973 by order of then-Director of Central Intelligence Richard Helms, it is impossible to have a complete understanding of the more than 150 individually funded research projects sponsored by MKULTRA and the related CIA programs.

ACHRE Report, Chapter 3, Supreme Court Dissents Invoke the Nuremberg Code: CIA and DOD Human Subjects Research Scandals

Für die USA ein klarer Beweis für eine Gehirnwäsche im Dienste der kommunistischen Propaganda, so die Version, die sich in den westlichen Medien und Geschichtsschreibung durchsetzte. Bis jüngst Beweise ans Licht kamen, die auf ein US-Biowaffen-Programm in Camp Detrick hinweisen (Pentagon bestätigt nach Pressebericht Forschung an biologischen Kampfstoffen). Dort wurde mit Anthrax, Botulinus und Pest geforscht, wobei Biowaffen-Experten aus Nazi-Deutschland und Japan helfen durften, auch und insbesondere solche, die ihre Erkenntnisse durch verbrecherische Menschenexperimente gewonnen hatten.

Zur Vertuschung dieser geheimen Forschungs- und Produktionsaktivitäten kamen offenbar psychologische Techniken aus dem Artichoke-Programm zum Einsatz, auch gegen einen führenden US-Biowaffen-Wissenschaftler, Frank R. Olson. Dieser musste 1953 offenbar nach einer gescheiterten LSD-Behandlung sterben, da die CIA ihm nicht mehr traute; an der Vertuschung des Mordes waren 1975 auch der junge Richard Cheney und Donald Rumsfeld beteiligt, so das Fazit des Autorenduos Koch/Wech.

Der Sohn des Ex-CIA-Direktors und späteren US-Präsidenten George Bush, George W. Bush, sollte sich später im Amt des US-Präsidenten weigern, ein rechtlich bindendes Zusatzprotokoll zur Überprüfung der Biowaffenkonvention für die USA zu unterzeichnen (Biowaffenkonferenz in Genf gescheitert), selbst nach den Anthrax-Anschlägen in Washington 2001 - die übrigens mit Anthraxstämmen aus Camp Detrick, also aus US-Produktion, höchstwahrscheinlich von einem am Biowaffen-Programm beteiligten Mitarbeiter durchgeführt wurden (Auf der Spur der Anthrax-Briefe).

Die Entwicklung von Brain Warfare stand zur Zeit von Frank Olson erst am Anfang. Weitere Studien folgten, z.B. unter Mitwirkung des General Electric-Fernsehforschers Herbert Krugmann, der mittels EEG die Wirkung des Fernsehens auf die menschliche Psyche erforschte. Die meisten MKULTRA-Dokumentationen wurden jedoch rechtswidrig von CIA-Direktor Richard Helms vernichtet.

Heute sehen sich Moslems als Opfer einer medialen Gehirnwäsche seitens der westlichen, insbesondere der US-Medien, die sie zu potentiellen Terroristen stempelt und die Menschen zum vereinfachenden Schwarz-Weiß-Denken animiert (vgl. The Role of Brainwashing in Current Events). Ein Schelm, wer dabei heute an Allen W. Dulles' Brain Warfare dächte. (Thomas Barth)

Quelle: Heise.de

Als die CIA Bürger zu Versuchskaninchen machte

Das Projekt MKULTRA gehört zu den dunkelsten Kapiteln in der Geschichte der Geheimdienste. In den 1950ern und -60ern benutzte die CIA die Bevölkerung für Experimente zur "Gedankenkontrolle".

Ein Geheimdienst, der Bürger des eigenen Landes zu menschlichen Versuchskaninchen für Drogen, Elektroschocks und Hypnose macht. Was nach kruder Verschwörungstheorie oder Hollywood-Thriller klingt, war in den USA vor fünfzig Jahren Realität.

MKULTRA hieß das Projekt, mit dem die CIA herausfinden wollte, wie man die Gedanken von Menschen kontrollieren kann. CIA-Direktor Allen Dulles segnete das geheime Projekt im April 1953 ab. Schon zuvor hatte es Versuche mit gefangenen gegnerischen Soldaten und Spionen gegeben - nun wurden die Experimente im größeren Stil aufgezogen.

Hintergrund waren unter anderem Berichte, im Koreakrieg seien amerikanische Kriegsgefangene einer „Gehirnwäsche" unterzogen worden. Die Motivation, Soldaten künftig vor feindlicher Beeinflussung schützen zu können, geriet aber bald gegenüber anderen Bestrebungen in den Hintergrund. Die CIA wollte Wege finden, menschliches Verhalten vorhersagen und beeinflussen und sogar „Gedanken kontrollieren" zu können - bei eigenen wie gegnerischen Soldaten und Agenten, und auch bei unliebsamen Herrschern wie Fidel Castro.

Tests an Menschen „aus allen Schichten"

Als mögliche Mittel zu diesem Zweck fasste man halluzinogene Drogen, Elektroschocks, Hypnose, Operationen und Methoden der Psychologie ins Auge. Getestet werden sollten Menschen „aus allen sozialen Schichten", Amerikaner wie Ausländer. Insgesamt 86 Universitäten, Krankenhäuser und andere Institutionen waren an den Versuchen beteiligt - oft, ohne zu wissen, dass sie für den Geheimdienst forschten. Und auch viele der Versuchspersonen wussten nichts von ihrem Schicksal.

Vor allem die Wirkung von LSD interessierte den Geheimdienst. Er ließ Prostituierte die Droge ihren Freiern verabreichen. In New York und San Francisco mieteten sich CIA-Mitarbeiter in Häuser ein, in denen die Substanz Besuchern in die Getränke gemischt wurde, um die Wirkung dann durch Einwegspiegel beobachten zu können.

Auch Patienten in psychiatrischen Einrichtungen und Gefängnisinsassen wurden für die Experimente missbraucht. In der Haftanstalt für Drogenabhängige in Lexington schluckten Insassen halluzinogene Drogen, um dann als Belohnung die Substanzen zu erhalten, nach denen sie süchtig waren.

Ende der 60er Jahre lief das Projekt aus. 1973 ordnete CIA-Direktor Richard Helms an, die MKULTRA-Unterlagen zu vernichten.

Ans Licht der Öffentlichkeit kam das großteils illegale Treiben der CIA Mitte der 70er-Jahre, als zwei Untersuchungskommissionen die Geheimdienst-Arbeit unter die Lupe nahmen. Zwar konnten noch einige Finanzunterlagen von MKULTRA ausgegraben werden, die man zu zerstören vergessen hatte. Vieles blieb aber im Dunklen.

Biologe starb nach LSD-Experiment

Zu den nie ganz geklärten Vorfällen gehört der Tod des Biologen Frank Olson. Er soll für die Army und die CIA im Rahmen des MKULTRA-Vorgängers „Projekt Artischocke" an biologischen Waffen gearbeitet haben. Am 19. November 1953 trank er bei einem Treffen von Geheimdienst- und Army-Wissenschaftlern ein Glas Cointreau, in das heimlich LSD gemischt worden war. Zwanzig Minuten später klärte man ihn auf.

Olson drohte wenige Tage später mit Kündigung. Die CIA brachte ihn zu einem Arzt in New York, der ihn wegen psychischer Probleme behandeln sollte. Am 27. November starb er nach einem Sturz aus einem Hotel. Olson sei durch das geschlossene Fenster seines Zimmers gesprungen, lautete die offizielle Version. Olsons Sohn Eric vermutete später, sein Vater sei von der CIA ermordet worden, und ließ die Leiche 1994 obduzieren. Dabei wurden Hinweise auf Gewaltanwendung gefunden. Zu einer Anklage kam es aber nie.

"Keine Beweise für Beteiligung des Weißen Hauses"

Wie viele Menschen durch MKULTRA dauerhafte körperliche oder psychische Schäden erlitten, ist nicht bekannt. Ungeklärt bleibt auch, wer in das Projekt eingeweiht war. 1977 sagte der damalige CIA-Direktor Stansfield Turner vor dem Kongress aus, es gebe keine Beweise dafür, dass das Weiße Haus das Projekt genehmigt oder auch nur darüber informiert gewesen sei. Aber auch das Gegenteil könne man nicht beweisen. Seit dem Ende von MKULTRA gebe es aber keine solchen „abscheulichen" Versuche mehr, beteuerte Turner.

Die durch MKULTRA gesammelten Erkenntnisse sollen äußerst dürftig gewesen sein: Die Beteiligten hatten meist keinerlei wissenschaftliche Ausbildung, die Versuchspersonen wurden oft nur wenige Stunden beobachtet. Der Ruf des Geheimdiensts wurde durch das Projekt freilich schwer beschädigt. Senator Edward Kennedy sagte 1977 in einem Untersuchungskomitee, das amerikanische Volk habe bisher „heiliges Vertrauen" in die Geheimdienste gehabt. Die Menschenversuche der CIA dürften das nachhaltig erschüttert haben.

Quelle: DiePresse.com

Ahnungslos im LSD-Rausch: Die Menschenversuche der CIA

Anm: Der Film "Einer flog über das Kuckucksnest" mit Jack Nicholson basiert nicht auf der Fantasie Hollywoods. Es gab tatsächlich Psychiatrien, in denen Menschenversuche durchgeführt wurden.

1953 hat die CIA ihr Programm MKultra gestartet, um zu erforschen, wie man das Bewusstsein kontrollieren kann. Das Programm umfasste Tausende von Menschenversuchen, bei denen ahnungslosen Testpersonen LSD verabreicht wurde.

"Mr. McMurphy, Ihr Medikament."

"Was ist denn in der Pferdepille?"

"Es ist eine Medizin. Ist gut für Sie."

"Aber mir gefällt der Gedanke nicht, etwas einnehmen zu müssen von dem ich nicht weiß, was es ist."

"Regen Sie sich nicht auf, Mr. McMurphy."

"Ich rege mich nicht auf, Miss, ich möchte nur nicht, dass irgendjemand versucht, mir Salpeter zu verabreichen."

Im Film "Einer flog übers Kuckucksnest" erfährt der Held, gespielt von Jack Nicholson, am eigenen Leibe, wie Patienten in einer psychiatrischen Anstalt diversen Menschenversuchen ausgeliefert sind, von Psychopharmaka, über LSD und andere Drogen, bis hin zu Elektroschocks und gehirnchirurgischen Eingriffen. Diese Horror-Geschichte aber ist keine Erfindung Hollywoods. Sie basiert auf Tatsachen.

"Menlo-Park ist eine der Kliniken, in denen diese Versuche stattgefunden haben. Wenn man das Buch 'Einer flog über das Kuckucksnest' von Ken Kesey liest, dann ist das eben auch ein Erlebnisbericht aus Menlo-Park. Und Ken Kesey war ja bekanntlich ein Pfleger in Menlo-Park und hat dann in den sechziger Jahren niedergeschrieben, was er dort erlebt hat."

Gedankenkontrolle und Menschenversuche

Hinter diesen Menschenversuchen steckte tatsächlich die CIA, erklärt der Potsdamer Historiker Bernd Stöver, der die Geschichte des amerikanischen Geheimdienstes aufgearbeitet hat. Das düstere Kapitel der Menschenversuche, so Stöver, ereignete sich in der Frühphase des Kalten Krieges. Die USA wähnten sich im Hintertreffen, spätestens im Korea-Krieg, als amerikanische Kriegsgefangene plötzlich Propaganda für den Gegner machten.

Was war mit ihnen geschehen? Verfügte der Feind über neue, bisher unbekannte Mittel einer Gehirnwäsche? Um jeden Preis, unter Missachtung aller Gesetze und moralischen Prinzipien machte sich die CIA daran, selbst in den Besitz solcher Mittel und Methoden zu gelangen – und startete dazu 1953 das strenggeheime Programm MKultra.

"Es ist der Versuch, Gedankenkontrolle zu erlangen, Bewusstseinsmanipulation zu erlangen. Es gibt eine ganze Reihe von Versuchen mit Drogen, LSD, Meskalin, Angel Dust und alles was dazugehört, aber auch Psychochirurgie, chemische Stoffe, Gifte, Krankheitserreger, alles das wird unter anderem an Menschen getestet, auch an unwissenden Menschen getestet."

Was genau sollte LSD in diesem Zusammenhang bewirken? Nun, das wusste man schlichtweg nicht. Aber die Ahnungslosigkeit hielt die CIA nicht davon ab, mit LSD zu experimentieren, zumal es damals noch nicht illegal war. Die Opfer wussten meist nicht, wie ihnen geschah:

"In Kalifornien beispielsweise sind auf Studentenpartys solche Sachen eben passiert, also LSD ist eingesetzt worden, unwissentlich eingesetzt worden und dann ist beobachtet worden, was passiert."

Vom CIA missbraucht

Auf Dauer freilich rekrutierte die CIA die Opfer bevorzugt in Gefängnissen und Kliniken. Auch auf deutschem Boden wurden Drogen-Experimente durchgeführt. Das geschah an deutschen Behörden vorbei, wiewohl die CIA für ihre Versuche einer Bewusstseinskontrolle auch Ex-Nazis wie den KZ-Arzt Kurt Blome zur Mitarbeit heranzog, schrieb der Journalist Egmont Koch, der die Menschenversuche der CIA recherchiert hat.

"Man hoffte, auf diese Art und Weise bei feindlichen Agenten die Verschwiegenheit durchbrechen zu können. Dass man ihre Zunge lösen könnte, viel besser als das vielleicht mit Alkohol möglich ist, dass man Geständnisse forcieren kann. Ein Teil dieser Versuche mit LSD und anderen Drogen sind auch in Deutschland durchgeführt worden, was vor allem damit zusammenhing, dass es in Deutschland ausreichend russische Spione gab, an denen man das experimentell erproben wollte und konnte."

LSD, so fand man heraus, konnte dazu missbraucht werden, Menschen im Verhör mürbe zu machen und psychisch zu brechen. Das Wahrheitsserum, das man suchte, war LSD jedoch nicht.

"Es fließt allerdings ein - genauso wie die anderen Medikamente oder Drogen, die eingesetzt werden, in die so genannte Folterforschung: Leute werden empfindlicher, werden grundsätzlich sensibler, wenn sie Drogen einnehmen, sie erfahren Schmerzen stärker, sie erfahren auch Befragungen und Nachfragen stärker, alles dies fließt in die so genannte Folterforschung ein."

Das Programm MKultra und die LSD-Versuche endeten 1964, aber ihr Erbe in Gestalt eines geheimen Folterbuchs mit dem Titel "Kubark Interrogation Handbook" existierte weiter, und fand nach dem 11.September neue Anwendung bei den so genannten "verschärften Befragungen" in Guantanamo.

Tödliche Experimente

Die Menschenversuche des Programm MKultra der CIA wurden erst in den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts aufgedeckt. Zur Verantwortung aber wurde niemand herangezogen, da die CIA einen Großteil der Unterlagen vorsorglich vernichtet hatte. Dabei hatte es schon in den 1950-er Jahren mysteriöse Todesfälle gegeben. So war der Amerikaner Frank Olson, der selbst an der Erforschung biologischer Waffen beteiligt, aber von Gewissenszweifeln geplagt war, im LSD-Rausch aus dem Fenster gestürzt.

"Im Fall von Frank Olson würde ich sagen, so wie wir das damals recherchiert haben, es sind leider nicht alle Dokumente darüber verfügbar, dass er auch zu einem Versuchskaninchen, zu einem Opfer wurde bei den LSD-Versuchen. Wobei es nicht 100-prozentig nachweisbar ist, ob er aus dem Fenster gestürzt wurde oder vielleicht in seinen Halluzinationen gemeint hat, er könne fliegen und selbst aus dem Fenster gesprungen ist."

MKultra firmierte zwar als geheimes CIA-Programm, aber in seine vielen Teilprojekte und damit auch in die konkreten Menschenversuche, waren etliche amerikanische Universitäten, Kliniken und Forschungsinstitute und dementsprechend auch viele renommierte Wissenschaftler eingebunden, sagt der Historiker Bernd Stöver.

"Das erscheint mir das Erstaunlichste zu sein, dass keiner sozusagen die Notbremse gezogen hat. Und keiner Halt gerufen hat: Das dürfen wir nicht tun, das sind Menschenversuche, das haben wir nach den Nürnberger Gesetzen in den Ärzteprozessen verurteilt und jetzt machen wir das selber."

Quelle: DeutschlandFunkkultur.de

„Unorthodox, unethisch, illegal“

Die Geheimprojekte der CIA zur Verhaltenskontrolle mit Drogen und Elektroschocks erforschte der amerikanische Geheimdienst CIA ein Vierteljahrhundert lang Verhaltenskontrolle an ahnungslosen Opfern. Er ließ Universitäten und Institute, aber auch Gefangene und Prostituierte für sich arbeiten - nicht nur im eigenen Land: Jetzt verklagen neun Kanadier die CIA. *

Velma Orlikow aus dem kanadischen Winnipeg begab sich Ende November 1956 am Allan Memorial Institute in stationäre Behandlung. Sie hoffte, an der Montrealer Klinik von schweren Depressionen erlöst zu werden. Sieben Jahre lang blieb Frau Orlikow Patientin des dort praktizierenden Psychiaters Dr. Ewen Cameron.

Robert Logie war 18 Jahre alt, als er sich im Oktober 1956 an Kanadas damals renommiertesten Psychiater wandte. Cameron behandelte den jungen Mann aus Vancouver, der an unerklärlichen "Schmerzen, Anfällen, Zittern und allgemeiner Schwäche" litt, knapp zweieinhalb Jahre lang.

Die Kanadier kamen aus freien Stücken in Camerons Klinik, die der Montrealer McGill University angeschlossen war. Sie zahlten für ihre teils stationäre, teils ambulante Behandlung normale Honorare und hatten volles Vertrauen in die fachliche Kompetenz des Dr. Cameron.

Geheilt freilich verließen die Patienten Orlikow und Logie das Krankenhaus nicht. Im Gegenteil: Sie klagen seither über andauernden Gedächtnisverlust, schwere Konzentrationsstörungen, Angstschübe und wiederkehrende Alpträume. Statt an einen helfenden Arzt zu geraten, hatten sich die Cameron-Schützlinge unwissentlich in die Hände eines Dr. Frankenstein begeben, der besessen davon war, an Menschen zu erforschen, ob sich deren Verhalten umfunktionieren ließe.

Zusammen mit sechs weiteren Cameron-Patienten erhoben sie deshalb Ende des Jahres 1980 Zivilklage auf Schadensersatz in Höhe von insgesamt neun Millionen Dollar. Allerdings: Sie beschuldigten nicht nur ihren unterdessen gestorbenen Arzt, sondern sie machten auch die Regierung der USA für ihre Leiden verantwortlich:

Denn ohne Wissen und ohne ihre Zustimmung, so die Klage, seien damals Patienten des Allan Memorial Institute Opfer unzulässiger Experimente geworden. Die Versuche hatte sich Institutsleiter Cameron ausgedacht und sie mit Kenntnis und finanzieller Unterstützung des amerikanischen Geheimdienstes CIA jahrelang betrieben.

37 Monate lang ruhte die Klageschrift (Civil Action Nr. 80-3163) beim Bezirksgericht der US-Hauptstadt Washington; jetzt, Anfang dieses Jahres ist Bewegung in die Affäre gekommen.

Im Parlament von Ottawa versprach Kanadas Außenminister Allan MacEachen, sich für die Belange der Kläger gegenüber den USA zu verwenden - möglicherweise beim Internationalen Gerichtshof in Den Haag oder gar als Nebenkläger im anhängigen Verfahren.

Zu Anfang der 50er Jahre hatte die CIA befürchtet, daß Sowjets und Chinesen über ausgefeilte Methoden zur Manipulation menschlichen Verhaltens verfügten und hatte Forschungsprojekte veranlaßt, um die vermeintliche Lücke in der Bewußtseinskontrolle zu schließen.

Deutlich wurde freilich schnell, daß das "Mind Control Gap" in Wahrheit genausowenig existierte wie später die Bomber- und Raketenlücken. Doch einmal gestartet, waren die "Top Secret"-Projekte der Verhaltenskontrolle und Gehirnwäsche nicht mehr aufzuhalten. Sie liefen nachweislich über ein Vierteljahrhundert lang und waren der CIA mindestens 25 Millionen Dollar wert.

Beim Projekt "Bluebird" etwa wurden bizarre "Schlafmaschinen" erprobt, ein fernsteuerbarer "Super-Lügendetektor" entwickelt, Hypnose-Techniken verfeinert und 100 000 Dollar für ein neurochirurgisches Forschungsprojekt bereitgestellt, mit dem mutmaßlich die Folgen von Abtrennungen im Gehirn (Lobotomien) erkundet wurden.

Viele dieser Versuche erwiesen sich als "zu gefährlich, um sie an unseren eigenen Leuten zu erproben", so der damalige "Bluebird"-Chef Allen. Deshalb wurden die verschiedenen Verfahren an Gefangenen und Krebspatienten, an Prostituierten, Psychokranken oder freiwilligen Studenten getestet.

Zu einem prominenten Opfer dieser Untersuchungsreihen wurde Frank Olson, der in einem Giftlabor der US-Armee an Methoden der biologischen Kriegführung arbeitete. Nachdem er ein mit der Droge LSD versetztes Glas Cointreau _(Im Oval Office des Weißen Hauses am 21. ) _(7. 1975. )

getrunken hatte, änderte sich sein Verhalten so dramatisch, daß er CIA-Psychiatern in Rockville, US-Bundesstaat Maryland, vorgestellt werden sollte. Am Tage vor dem Flug stürzte sich Olson aus dem 10. Stock eines New Yorker Hotels.

Die Theorie von Olsons unerklärbarem Selbstmord (CIA-Version: "Nervenzusammenbruch") konnte der Geheimdienst 22 Jahre lang aufrechterhalten. Erst 1975 erfuhr Olsons Familie die wahren Hintergründe. Der damalige Präsident Gerald Ford holte sie ins Weiße Haus und entschuldigte sich offiziell für die CIA-Missetat.

Zum Zeitpunkt des Falles Olson hieß das Projekt "Bluebird" bereits "Artichoke" und stand kurz vor der Umbenennung zum Programm "MK Ultra". Mit jedem neuen Codenamen waren Umfang und Ziele des Unternehmens erweitert worden. Im Rahmen von "Artichoke" sollten beispielsweise Methoden entwickelt werden, mit denen "einer Person Informationen gegen deren Willen und ohne deren Wissen entlockt werden können". Aus normalen Menschen, so "Artichoke"-Chef Allen, würden vorübergehend "hirnlose Zombies" werden. Für solche Experimente schien der kanadische Psychiater Dr. Cameron ein geeigneter Partner der CIA zu sein.

Denn an der McGill University waren Psychiater seit Jahren damit beschäftigt, so hatte die CIA einem geheimen kanadischen Forschungsbericht entnommen, Verhörtechniken und "bestimmte Geständnismethoden" zu entwickeln. Die Montrealer Seelenforscher arbeiteten mit schalldichten Dunkelkammern, in denen die "Patienten" gefügig gemacht werden sollten.

Dieses Programm plante Cameron auszuweiten. Ihm schwebte der kombinierte Einsatz von starken Elektroschocks und Medikamenten vor. Außerdem beschallte Cameron seine Patienten stundenlang mit "positiven" oder "negativen Botschaften", um das Verhalten der Zwangshörer nachhaltig zu ändern.

Camerons Bewußtseinsmanipulation bestand aus einem mehrstufigen Basis-Programm: *___Zerrüttung der bestehenden Verhaltensmuster des ____Patienten durch starke und anhaltende Elektroschocks; *___intensive Wiederholung (16 Stunden täglich über einen ____Zeitraum von sechs bis sieben Tagen) der auf Tonband ____gesprochenen Botschaften; Patienten während der ____Dauerbeschallung in Teilisolation; *___Verdrängung der Beeinflussungsperiode durch künstlich ____eingeleiteten Dauerschlaf (sieben bis zehn Tage).

Da sich dieser Stufenplan nach Ansicht Camerons in der Praxis bereits bewährt und die gewünschten Verhaltensänderungen bewirkt hatte, wollte der kanadische Mediziner die Technik intensivieren. Er plante, das Bewußtsein schneller und nachhaltiger auszuschalten. Dazu sollten der Versuchsperson beispielsweise das nervenlähmende Curare oder die Bewußtseinsdroge LSD 25 injiziert werden.

Die Kosten der Programmerweiterung veranschlagte der Montrealer Psychiatrieprofessor auf jährlich 19 090 Dollar. In dieser Summe enthalten war das Gehalt für einen festangestellten zusätzlichen Psychiater, einen teilzeitbeschäftigten Elektrotechniker sowie die Beschaffung von 32 Bett-Lautsprechern und zwei Spezial-Tonbandgeräten, auf denen Camerons Botschaften endlos wiederholt werden konnten.

Den Etatentwurf, die Methoden und Ziele seiner Manipulationsversuche legte Cameron in einem unter dem 21. Januar 1957 datierten Brief dar. Das achtseitige Schreiben war gerichtet an die "Society for the Investigation of Human Ecology", 122 East 78th Street, New York.

Dieses Backsteingebäude an der New Yorker Eastside hatte die CIA für knapp 1500 Dollar pro Monat angemietet. Der Untermieter, die Gesellschaft zur Untersuchung der menschlichen Umwelt, war eines von drei CIA-Tarnunternehmen, deren Existenz Mitte der 70er Jahre bekannt wurde, als der US-Senat die CIA-Praktiken durchleuchtete.

Camerons penibel dargelegter Plan wurde von New York unverzüglich an die CIA-Zentrale in Langley (Virginia) weitergeleitet. Dort landete der Brief auf dem Schreibtisch von Dr. Sidney Gottlieb, der die chemische Abteilung des CIA-Stabes "Technische Dienstleistungen" leitete. Gottlieb bewilligte den Cameron-Antrag umgehend und versah das kanadische Unternehmen mit der Codebezeichnung "MK Ultra Subproject 68".

Das Teilprogramm 68 (von insgesamt 149 Einzelprojekten) paßte genau in den Zuständigkeitsbereich des Sidney Gottlieb. Er beaufsichtigte die Mehrzahl der Untersuchungen, die von der CIA an 86 amerikanische Universitäten, Hochschulen und Institute vergeben worden waren und die alle nur eine Frage klären sollten: Welche Methoden sind geeignet, das menschliche Hirn und Verhalten nach Wunsch zu manipulieren.

Der gelernte Chemiker Gottlieb verantwortete auch Elektroschockprojekte und die Verabreichung von "K.o.-Tropfen" an Prostituierte und deren Kunden

in von der CIA angemieteten Apartments. Er ließ in lateinamerikanischen Dschungeln nach hochgiftigen Pflanzen und Baumrinden suchen und ein Mittel erproben, das - verabreicht - Fidel Castro seiner Bartpracht beraubt hätte. Gottlieb heuerte den Zauberkünstler John Mulholland an, der CIA-Agenten beibringen sollte, wie sie unbemerkt Drogen in Drinks kippen könnten.

Auf sein Geheiß wurde beispielsweise Olsons Cointreau mit LSD versetzt, und persönlich reiste Gottlieb unter dem Pseudonym Victor Scheider 1960 in den Kongo, um dem dortigen Chef des CIA-Büros eine Bakterienmischung zu übergeben, mit der Patrice Lumumba getötet werden sollte.

Wohl war Gottlieb in einer internen CIA-Untersuchung der "schuldhaften Nachlässigkeit" im Olson-Fall und später des "nicht nur unorthodoxen, sondern unethischen und manchmal illegalen" Verhaltens geziehen worden, doch Gottlieb blieb verantwortlich für Programme wie die Menschenversuche von Montreal, für deren Durchführung er dem kanadischen Psychiater insgesamt 60 000 und der McGill-Universität weitere 35 000 Dollar mit dem zweckgebundenen Hinweis "für die Psychiatrie" anweisen ließ.

Finanziell von der CIA abgesichert und arbeitsmoralisch von Wissenschaftlern der zwielichtigen New Yorker Gesellschaft angefeuert, ging Cameron zu Werk. Zusammen mit zwei Kollegen unterzog der Psychiater insgesamt 53 Patienten seinen gefährlichen Versuchen.

Meist waren es Frauen wie Velma Orlikow (CIA-Deckname: "Miriam"), die Cameron nicht medizinisch therapierte, sondern als Versuchsobjekte mißbrauchte. An ihnen erprobte er sein "schreckliches Ideengebäude". So hatte der damalige Leiter der Psychologischen Fachrichtung an der McGill-University, Dr. Donald Hebb, das Unwesen des "untauglichen Forschers" (Hebb) beschrieben. Camerons Machenschaften hatte Hebb freilich nicht unterbunden oder nicht zu beenden gewagt.

Besessen von der Vorstellung, Methoden zu entwickeln, die eine "direkte, kontrollierte Veränderung der Persönlichkeit" ermöglichten, spritzte Cameron hohe Dosen von LSD und Schlafmitteln, unterzog seine Patienten Elektroschocks, die nicht - wie es damals die Schulmedizin vorsah - Bruchteile von Sekunden anhielten und allenfalls einmal täglich verabreicht werden durften.

Cameron legte seinen Patienten bis zu dreimal täglich die Elektrodenklammern an. 20- bis 40mal länger als andere Elektroschocker es damals wagten, schickte Cameron Stromstöße in das Gehirn seiner Patienten. Und die Spannung hatte der Montrealer Psychomediziner dabei von 110 auf 150 Volt hinaufgesetzt. An die Schreie der Gemarterten, die durch das Institut hallten, erinnerten sich andere Patienten noch Jahre später.

Den (vorübergehend) erinnerungslöschenden Elektroschocks folgten stundenlange Berieselungen vom Tonband, Beispiel: "Laß deinen Gefühlen freien Lauf. Es ist in Ordnung, wenn du deinen Zorn zeigst. Wehre dich gegen deine Mutter." Dann nämlich, so Camerons frohe Tonband-Botschaft, "wirst du frei sein, eine gute Ehefrau und Mutter werden wie andere Frauen auch".

Eine Patientin, so hielt Cameron stolz in einem der wenigen noch erhaltenen Patientenblätter fest (die meisten Unterlagen vernichtete Camerons Sohn nach dem Tod seines Vaters im Jahre 1967), "durchstand 101 Tage positiver Bewußtseinsbeeinflussung" - allerdings, ohne die gewünschten Folgen zu zeigen. "Positive Ergebnisse wurden nicht erzielt", notierte Cameron.

Seine Bereitschaft, Grenzen des Ertragbaren zu überschreiten, bewies der Montrealer Psychiater auch bei den Schlafversuchen und den Dunkelkammer-Aufenthalten. Eine Patientin hielt er 35 Tage lang in der schalldichten und lichtlosen Box. Und die Klägerin Rita Zimmermann versetzte Cameron in einen Dauerschlaf von 56 Tagen, nachdem sie zuvor beinahe pausenlos den Tonband-Botschaften des Doktors ausgesetzt war.

Ausgemacht scheint, daß Cameron und Kollegen jahrelang gegen den "Nürnberger Code" verstoßen haben. Die zehn Richtlinien für medizinische Menschenversuche waren während der Nürnberger Kriegsverbrecherprozesse formuliert worden.

Nach diesem Code, der von der Uno und weltweit als bindendes ethisches Medizin-Prinzip anerkannt wurde, ist eine Hauptvoraussetzung für die Erforschung neuer Methoden und Mittel am Menschen, daß die "Versuchssubjekte freiwillig ihre Zustimmung" geben und über "Natur, Dauer und Ziel der Experimente" wahrheitsgemäß aufgeklärt werden müssen.

Laut Klageschrift haben die neun Kanadier weder der dubiosen Behandlung zugestimmt, noch waren sie von Cameron darüber eingehend unterrichtet worden. Für verantwortlich aber halten die Kläger nicht nur die kanadischen Versuchsmediziner, sondern auch den amerikanischen Geheimdienst, der "die für nichtmedizinische Zwecke ausgelegten Experimente finanziert" und gebilligt hatte.

Gottlieb und andere CIA-Angestellte hätten durch "eigene einschlägige Erfahrung" wissen müssen, daß Camerons Versuche schwere körperliche und seelische Schäden für die Betroffenen heraufbeschworen, als sie das "MK Ultra Subproject 68" befürwortet hatten.

Mit der gleichen Chuzpe, mit der sie das Unternehmen angekurbelt und durchgezogen hatten, verwischten die Geheimdienstler auch die Spuren.

Richard Helms wurde 1973 seinen Job als CIA-Direktor los und als Botschafter an den Pfauenthron versetzt. Zehn Tage vor seiner Abreise nach Teheran vernichtete Helms sein eigenes Drogenarchiv und gab seinem langjährigen Vertrauten und Schützling Gottlieb die Order, sämtliche Unterlagen des Unternehmens Gehirnwäsche in den CIA-Reißwolf zu geben.

Gottlieb tat wie ihm geheißen, übrig blieben in der CIA-Zentrale nur ein paar "MK Ultra"-Buchungsbelege.

Im Oval Office des Weißen Hauses am 21. 7. 1975.

Quelle: Spiegel.de

Operation Artischocke: Die Menschenversuche der CIA

Am Ende des Zweiten Weltkrieges 1945 stoßen amerikanische Truppen bei der Befreiung des Konzentrationslagers Dachau auf unzählige Leichen ermordeter oder verhungerter Insassen. Viele der Überlebenden berichten den Befreiern von grausamen Experimenten der KZ-Ärzte mit Krankheitserregern und Drogen.

Wenige Wochen später wird die wissenschaftliche Elite des Nationalsozialismus auf Schloss Kransberg im Taunus inhaftiert und verhört. Unter den Gefangenen sind auch jene Experten für die biologische Kriegsführung, die in Dachau die Wirkung tödlicher Keime und Drogen an Menschen erprobten. Einige von ihnen werden in den Nürnberger Prozessen freigesprochen, obwohl genügend Beweise gegen sie vorliegen. Doch die Amerikaner haben etwas Anderes mit ihnen vor.

Eine "Abteilung für schmutzige Tricks"

1952 treffen im IG-Farben-Haus in Frankfurt, dem Sitz der CIA, die Geheimagenten der "Abteilung für schmutzige Tricks" zum wichtigen Meeting ein. Mit dabei ist auch Dr. Frank Olson, einer der verantwortlichen amerikanischen Forscher für B-Waffen-Experimente und seit kurzem ein CIA-Mitarbeiter. Besprochen wird das strenggeheime Projekt mit dem Decknamen "Artischocke", ein Vorhaben, an dem die Naziverbrecher beteiligt werden sollen.

Am Rande vom Taunus besitzt die Abteilung der CIA ein verborgenes Verhörzentrum mit Namen Camp King, in dem deutsche und russische Spione und Überläufer inhaftiert sind. Hier beginnen die ersten Menschenversuche der CIA zu Gehirnwäsche und Verhörmethoden mit verschiedenen Drogen, Elektroschocks und Folter.

Experimente der Nazis werden fortgesetzt

Ziel der Experimente ist es, den menschlichen Verstand zu manipulieren und den Opfern Geheimnisse zu entlocken. Danach soll ihr Gedächtnis gelöscht werden, damit sie sich an das Geschehene nicht erinnern. Viele der Versuchsopfer sterben dabei oder begehen Selbsttötung. Mit ihren Drogenexperimenten setzt die CIA skrupellos jene Experimente der Nazis fort, von denen sie bei der Befreiung des KZ-Dachau erfahren hat. Frank Olson wohnt den grausamen Menschenversuchen bei und ist schockiert. Obwohl es ihm verboten ist, über die Versuche zu reden, vertraut er sich seinem besten Freund an.

1953 lädt die CIA mehrere ihrer Mitarbeiter zu einem Meeting nach Maryland ein. Es geht um die Operation Artischocke. Tatsächlich sollen die Teilnehmer - darunter Frank Olsen - ohne ihr Wissen unter LSD gesetzt werden. Olson ahnt danach, dass die CIA geprüft hat, ob er die geheimen Menschenexperimente verraten könnte und dass sie in den USA weitergeführt werden. Er will die Mitarbeit bei der CIA beenden. Stattdessen wird er, kurz nach dem LSD-Experiment, nach New York geschickt. Hier soll er wegen Depressionen in eine psychiatrische Klinik eingewiesen werden. Ein Tag später stürzt Frank Olson aus dem 13. Stockwerk eines New Yorker Hotels. Offiziell ist es Suizid. Ein Suizid mit Fragezeichen.

Quelle: 3sat.de


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